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Das Ende des klassischen Krieges

Als Putin am 22. Februar 2022 den Befehl zum Angriff auf die Ukraine gab, dachten er und mit ihm die gesamte westliche Welt, dass dies eine Angelegenheit von wenigen Tagen oder Wochen sein würde. Die Ukraine galt als chancenlos. Das stellte sich als Irrtum heraus. In wenigen Wochen, nämlich am 2. Juni 2026, wird dieser Krieg länger gedauert haben als der Erste Weltkrieg, und ein Sieg Russlands ist nicht abzusehen. Es verliert gegenwärtig monatlich mehr Soldaten, als es neu rekrutiert. Und die weiterentwickelte Drohnentechnologie erlaubt der Ukraine tief im Hinterland wirksame Schläge gegen die Energieinfrastruktur, die auch den russischen Export von Öl und Gas beeinträchtigen. Natürlich kann die Ukraine diesen Krieg niemals gewinnen. Aber wie es scheint, kann sie ihn mit finanzieller Unterstützung aus Westeuropa zeitlich unbegrenzt fortführen.


Verantwortlich dafür sind die rasenden Fortschritte in der Raketen- und Drohnentechnik. Sie begünstigen den Verteidiger auch dann, wenn er militärisch schwächer ist. Und sie ermöglichen auch dem Schwächeren tiefe Schläge ins feindliche Hinterland. Militärische Aggression wird auf diese Weise weniger attraktiv, und die Verteidigung wird aussichtsreicher. Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht für das westliche Europa, das sich von den USA zunehmend alleingelassen sieht, während ein aggressives Russland militärisch erstarkt. Für ein Land wie Deutschland gilt: Es braucht seinen eigenen «Iron Dome». Es braucht weitreichende Raketen und die Fähigkeit zum Aufbau eines eigenen Drohnenwalls für den Fall eines Angriffs. Neue Panzerarmeen braucht es wahrscheinlich nicht. Mit glaubwürdiger Abwehrkraft ist für mich die Hoffnung verbunden, dass auch in Russland eines Tages wieder Vernunft einkehrt. Was für einen Sinn soll es für Russland machen, Polen und Deutschland zu bedrohen, wenn es nicht einmal die Lage in der Ukraine meistert? Auch deshalb ist es ein wichtiger Friedensbeitrag, weiterhin dafür zu sorgen, dass die Ukraine abwehrfähig bleibt. (Autor: Thilo Sarrazin), Quelle: Weltwoche.

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