Wohin mit den Wertsachen?
- Holbach News
- vor 1 Tag
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Das vergangene Jahr endete für viele Sachwerte-Anleger mit einem Schock: Tresorknacker verschafften sich Zutritt in den Safe-Raum einer Sparkasse in Gelsenkirchen und erbeuteten Bargeld, Edelmetalle, Schmuck und andere Preziosen von Kunden im Wert von über 100 Millionen Euro. Kein Einzelfall. Noch in schlechter Erinnerung ist der »Tunnelraub« 2013 in Berlin. Das Vertrauen in Bankschließfächer erodiert. Aber wohin mit den Sachwerten?

Die Nacht zum 29. Dezember 2025 ist kalt, aber überwiegend trocken. Die meisten Menschen gönnen sich an diesen Tagen »zwischen den Jahren« ein wenig länger Schlaf, schließlich steht eine lange Silvesternacht vor der Tür. Auch die Feuerwehrleute in Gelsenkirchen haben sich schon auf ihre Einsätze in der Nacht zum neuen Jahr vorbereitet, wenn wieder unsachgemäß gezündete Feuerwerkskörper den einen oder anderen Brand entfachen dürften. Doch in dieser Nacht soll die Feuerwehr zu einem ganz anderen Einsatz gerufen werden: Um 03:58 Uhr geht bei der Feuerwehr ein Brandmeldealarm ein. Vor Ort stellen die Feuerwehrleute fest, dass es hier nichts zu löschen gibt. Sie gehören vielmehr zu den Ersten, die an diesem frühen Morgen die Folgen eines dreisten Tresorknacker-Coups entdecken. Mit einem riesigen Bohrer haben sich Unbekannte von einer Tiefgarage aus Zugang zu dem Tresorraum der Sparkasse Gelsenkirchen-Buer verschafft. Dort haben sie fast alle der rund 3200 Kundenschließfächer aufgebrochen. Der Schaden soll sich auf über 100 Millionen Euro belaufen.
Schock bei den Bankkunden
Der Schock bei vielen Bankkunden, die bei ihrem Geldinstitut ebenfalls solche Wertschließfächer angemietet haben, ist groß. Da denkt man, im Tresorraum einer Bank seien Preziosen, Bargeld und wichtige Dokumente besonders sicher aufbewahrt – und dann so etwas.
Dabei erinnert der Vorfall in Gelsenkirchen in fataler Weise an den sogenann naue Angaben zu machen, welche Wertgegenstände und wie viel Geld sich in ihren Schließfächern befanden. Denn nicht selten handelt es sich um Schwarzgeld, das man ungern auf sein Girokonto einzahlen möchte.
Der Tunnelraub in Berlin und jetzt der Tresorknacker-Coup von Gelsenkirchen stellen viele, die in Edelmetallmünzen und -barren, teuren Schmuck oder andere Wertsachen investiert haben, vor die Frage: Wohin mit diesen Schätzen, wenn nicht einmal ein Bankschließfach wirklich sicher ist? Ist es nicht doch ratsam, seine Wertsachen in einem guten Versteck zu Hause aufzubewahren oder sein Gold im Garten zu vergraben?
Kaum ein Versteck ist sicher
Leider gibt es aber keine wirklich sicheren Verstecke. Die klassischen Verstecke – also hinter Bildern, unter der Matratze, in der Kaffeedose, in vermeintlichen »Ravioli-Dosen« oder unter dem Teppich – all dies ist längst bekannt. Dort werden Einbrecher zuerst nachschauen. Und da Kriminelle natürlich auch im Internet unterwegs sind, erfahren sie von den angeblich neuen, besonders kreativen Verstecken – etwa von Steckdosensafes, die aussehen wie normale Steckdosen, doch dahinter verbergen sich Minischließfächer in der Wand. Gut aufgehoben sind die Schätze zu Hause eigentlich nur in einem privaten Safe.
Wer eine überschaubare Zahl von Wertsachen, Dokumenten und kleinere Bargeldbeträge aufbewahren möchte, für den kommen zertifizierte Mittelklasse-Safes infrage. Diese kosten zwischen 300 und 500 Euro, hinzu kommen zwischen 250 und 500 Euro für die Montage. Hochwertige zertifizierte Wand- oder Einbausafes kosten zwischen 1500 und 1900 Euro, zuzüglich rund 1000 Euro für Lieferung und Montage (Verankerung an der Wand oder mit dem Boden). Vor dem Kauf sollte man seine Hausratsversicherung fragen, welche Sicherheitsklasse der Safe aufweisen muss, damit im Fall der Fälle die Versicherung entschädigt (zum Beispiel Zertifizierung EN 1143-1, VdS oder ECB-S).
Wichtig: Die Anlieferung des Safes sollte mit einem neutralen Fahrzeug erfolgen, also ohne Firmenlogo. Auch darf bei der Entladung nicht erkennbar sein, was die Zusteller da transportieren. Im Idealfall soll es wie ein Möbelstück aussehen. Manche Gold-Investoren vergraben ihre Schätze im Garten, sofern sie einen besitzen. Sicherheitsexperten beurteilen diese Strategie unterschiedlich. Auf der einen Seite erscheinen Einbrecher in der Regel mit Stemmeisen und nicht mit einer Schaufel. Die Chance, bei einem Gebäudeeinbruch auf Wertsachen zu stoßen, ist ungleich größer als bei einer Buddeltour zwischen Tulpen und Erdbeeren. Auf der anderen Seite ist die Gefahr groß, dass man bei der auffälligen Grabungsaktion von zwielichtigen Gestalten beobachtet wird, die sich dann in der darauffolgenden Nacht als Schatzgräber betätigen. Und auch mancher Nachbar dürfte schnell neugierig werden, wenn man im Schutz der Dunkelheit zu Werke geht. Und schließlich ist es schon öfter vorgekommen, dass der Goldbesitzer seinen eigenen Schatz nicht mehr findet.
Schwierige Beweislast
Trotz der eingangs erwähnten spektakulären Einbrüche in Tresorräume der Banken ist die Verwahrung von Werten in einem Bankschließfach immer noch ziemlich sicher. Die statistische Wahrscheinlichkeit eines Wohnungseinbruchs oder eines Raubüberfalls ist deutlich höher, als Opfer eines Einbruchs in den Tresorraum einer Bank zu werden. Allerdings sollte man den Inhalt des Schließfaches über die Bank ausreichend versichern. Selbst die beste Versicherung hilft indessen nicht, wenn der Betreffende nicht den Inhalt seines Schließfaches nachweisen kann. Die Beweislast liegt beim Inhaber. Er muss unter anderem Kaufbelege, Gutachten, Inventarlisten, Bewertungsunterlagen und eventuell Fotos seiner Schätze (am besten mit einer tagesaktuellen Zeitung) vorlegen können, sonst steht er mit leeren Händen da. Zudem hat der Inhaber eines Bankschließfaches in der Regel nur während der Öffnungszeiten des Geldinstituts Zutritt zum Tresorraum.
Eine sinnvolle Alternative sind private, bankenunabhängige Anbieter von Wertschließfächern, wie etwa der Marktführer Trisor. Bei diesen hat der Kunde rund um die Uhr Zugang zu seinem Wertschließfach. Außerdem besteht ein Wachdienst, ebenfalls 24 Stunden an 7 Tagen pro Woche. Nachteil: Diese Anbieter sind bislang nur an wenigen Standorten vertreten. Wer zu seinem Schließfach möchte, muss also gegebenenfalls eine längere Anfahrt in Kauf nehmen. Schließlich bieten auch führende Edelmetallhäuser bankenunabhängige Wertschließfächer an, zum Beispiel Degussa Goldhandel, Geiger Edelmetalle und Philoro Edelmetalle.
Aufbewahrungsorte diversifizieren
Bei größeren Beständen an Edelmetallen oder sonstigen Wertgegenständen wie etwa Uhren und Schmuck kann es auch Sinn machen, seine Preziosen und Anlagemünzen in zwei Wertschließfächern bei unterschiedlichen Banken, eventuell in Deutschland und in einem benachbarten Ausland (zum Beispiel Österreich), aufzubewahren. Diversifizierung bei der Wahl der Aufbewahrungsorte ist also auch bei diesem Thema keine schlechte Empfehlung. Quelle: Kopp exklusiv, Michael Brückner