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Industrie flieht aus Deutschland

Aktualisiert: 27. Nov. 2025

Nach der Bundestagswahl war die Euphorie in der deutschen Wirtschaft groß: Die Regierung um Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) versprach schnelle Reformen, die Unternehmen überboten sich mit Investitionsversprechen – und der Dax eilte von Rekord zu Rekord. Von dieser Euphorie ist nicht viel geblieben: Etwa 70 Prozent der energieintensiven Unternehmen in Deutschland verlagern heute ihre Investitionen ins Ausland.


Düsseldorf, Berlin, Frankfurt. Deutschland verliert einen großen Teil seiner Industrieinvestitionen. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 240 hochrangigen Managern in Europa und den USA. Unter den für Deutschland zuständigen Unternehmensvertretern gaben 31 Prozent an, Produktion aktiv in andere Kontinente zu verlagern oder dorthin auszuweiten. 42 weitere Prozent investieren in anderen europäischen Ländern statt in Deutschland – oder schieben Investitionen hierzulande vorerst auf.


Für die Studie wurden Vertreter der energieintensiven Branchen Basis-Chemie, Stahl, Glas und Zement von Juli bis September dieses Jahres befragt. Die Untersuchung stammt von der Unternehmensberatung Simon Kucher und lag dem Handelsblatt exklusiv vor Veröffentlichung vor.


Branchenbeobachter bestätigten das düstere Bild. Christof Günther, Geschäftsführer des Chemiestandortbetreibers Infraleuna, sagt: „Viele Unternehmen können ihre Anlagen seit Jahren nicht richtig auslasten und sehen jetzt final keine Perspektive mehr. Aktuell verlieren wir jede Woche massiv und unwiederbringlich industrielle Wertschöpfung in Deutschland.“


Eine verschärfte Situation beschreibt auch die Anwältin Yvonne Hanke, die für die Kanzlei Ritter Gent energieintensive Unternehmen berät. Sie sagt: „Dass Unternehmen gedanklich Investitionsverlagerungen durchspielen, ist normal. Aber jetzt beobachten wir so konkret wie noch nie, dass sich Firmen tatsächlich für Investitionen in China, Indien oder den USA entscheiden.“

(Autor: Kevin Knitterscheidt), Quelle: Handelsblatt Evening Briefing.

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