Die Deutschen:Zahlmeister und arme Schlucker
- Holbach News

- vor 2 Stunden
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Hohe Steuern und Abgaben, im EU-Vergleich niedrige Renten und explodierende Kosten in der Pflegeversicherung: Nein, das ist nicht das beste Deutschland aller Zeiten. Es ist das Deutschland der dreisten Abzocke. Bestenfalls Mittelmaß hat dieses Land seinen Menschen zu bieten, die jahrzehntelang hart arbeiten. Und wenn sie dann in den Ruhestand gehen, bekommen sie EU-weit mit die geringsten Renten.

Wer die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der deutschsprachigen Länder vor Ort kennenlernen möchte, der muss nur die vier Länder in der Bodenseeregion besuchen. Die dortigen Verhältnisse sind beispielhaft für die jeweiligen Staaten und führen schnell zu dem Erkenntnisgewinn, dass die Deutschen in vielen Bereichen deutlich schlechter dastehen als die Nachbarländer. Baden-Württemberg und Bayern, also die beiden deutschen Anrainerstaaten des Bodensees, gehören noch zu den wohlhabenderen Bundesländern Deutschlands. Dennoch sind die Einkommen dort im Schnitt niedriger als in Österreich und deutlich geringer als in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. An der Spitze steht Deutschland indessen nur noch bei der Steuer- und benlast. Wenn es um den Lebensstandard und das Einkommensniveau geht, liegen die Schweiz und Liechtenstein unter den deutschsprachigen Ländern eindeutig an der Spitze, gefolgt von Österreich. Deutschland landet erst auf Platz 4.
Verlassen wir die Bodenseeregion und vergleichen wir Deutschland mit den Staaten der Europäischen Union, dann wird sehr schnell deutlich, dass die angeblich so wohlhabende Bundesrepublik eher zu den ärmeren Nationen der EU gehört – ganz gleich, was uns Politiker auch erzählen mögen. Tatsächlich werden wir »reich gerechnet«, um uns fiskalisch auspressen und in die Pflicht nehmen zu können, wenn es gilt, Millionen von Migranten zu alimentieren. Nüchtern betrachtet, lässt es sich nicht bestreiten, dass Deutschland allenfalls Mittelmaß ist. Beim Einkommen nach Steuern und Abgaben liegen die Bundesbürger im Schnitt zwar etwas über dem EU-Durchschnitt. Das heißt, sie verdienen mehr als die Bürger in vielen anderen EU-Ländern – doch dazu gehören eben auch Länder wie zum Beispiel die Slowakei, Kroatien, Polen, Litauen, Rumänien und Bulgarien. Zum Teil deutlich über Deutschland liegen Dänemark, Luxemburg und Irland – von dem Nicht-EU-Mitgliedsland Schweiz ganz zu schweigen.
Beim Vermögen nur Mittelmaß
Während sich das durchschnittliche Einkommen der Deutschen also eher im oberen Mittelfeld bewegt, offenbart ein Blick auf das Vermögen ein ganz anderes Bild. Relevant für diese Betrachtung ist das sogenannte Medianvermögen. Darunter versteht man die Höhe des Vermögens, ab dem jeweils die eine Hälfte der Bevölkerung vermögender und die andere Hälfte weniger vermögend ist. In dieser Hinsicht schneidet Deutschland eher mäßig, also schlechter als viele westeuropäische Länder, ab. In den skandinavischen Ländern, den Niederlanden, Luxemburg und anderen EU-Staaten im Westen liegt das Medianvermögen deutlich über dem deutschen.
Ungeachtet des vergleichsweise überdurchschnittlichen Einkommens besteht in Deutschland ein nicht unerhebliches Armutsrisiko. Nach einer Definition der EU ist in der Bundesrepublik rund ein Fünftel der Bevölkerung armutsgefährdet. Auch in dieser Hinsicht belegt Deutschland einen schlechten Platz. Auf den Punkt gebracht: Deutschland mag trotz anhaltender Rezession beziehungsweise Stagnation seiner Wirtschaft sowie einer zunehmenden Deindustrialisierung insgesamt wirtschaftlich noch relativ stark sein, doch die Menschen verfügen nur über ein sehr moderates Vermögen. Die Gründe liegen auf der Hand: Hohe Steuern und Abgaben belasten die Menschen deutlich stärker als in anderen EU-Staaten.
Besonders betroffen vom fiskalischen Zugriff sind nach einer im Jahr 2024 veröffentlichten OECD-Studie Singles und kinderlose Alleinstehende. Ihre Belastung liegt zwischen 47,8 und 52,7 Prozent (Steuern und Sozialabgaben). Damit wird Deutschland nur noch von Belgien übertroffen. Die Gesamtabgabenquote, also das Verhältnis von Steuern und Sozialabgaben zum BIP, macht in Deutschland rund 38,3 Prozent aus. Damit liegt die Bundesrepublik im oberen Mittelfeld. Ebenfalls kein Grund zum Jubeln. Auch die Steuerlast auf Gewinne für Unternehmen liegt in Deutschland höher als der EU-Durchschnitt.

Länger arbeiten, weniger bekommen
Steuern und Abgaben sind hoch in Deutschland, dafür sind die Renten vergleichsweise gering. Unglaublich, aber wahr: Die Deutschen arbeiten bis 67 Jahre, die Italiener bis 64. Dafür bekommen die Rentner im Apenninenstaat rund 22 Prozent mehr Rente als der deutsche Ruheständler. Jetzt denkt die Bundesregierung über die Rente mit 70 Jahren nach, dabei gehören die Deutschen schon heute zu den am längsten arbeitenden Menschen in der EU – und zu denen mit dem geringsten Rentenniveau. Im OECD-Durchschnitt liegt das Rentenniveau bei 62,4 Prozent, in Deutschland ediglich bei 52,9. Im Nachbarland Frankreich wird bis 64 gearbeitet, dafür liegt das Rentenniveau bei über 60 Prozent, in Dänemark zwischen 70 und 75 Prozent. Und trotzdem reichen die Einnahmen der deutschen Rentenkasse hinten und vorn nicht. Deshalb kann es kaum verwundern, dass die Bundesregierung »prüfen« lässt, ob künftig auch Kapitalmarkterträge mit Rentenbeiträgen belastet werden. Wohin solche Prüfungen führen, ist hinlänglich bekannt.
Pflege wird unbezahlbar
Mancher Deutsche stellt sich indessen die Frage, ob es überhaupt erstrebenswert ist, ein hohes Alter zu erreichen. Durchaus, aber nur, wenn man gesundheitlich in guter Verfassung ist. Denn das zunehmende Alter kann unbezahlbar werden, wie unlängst der NDR berichtete. Tatsächlich steht das deutsche Pflegesystem vor dem Kollaps. Wer in Deutschland ins Pflegeheim kommt, muss im Schnitt sage und schreibe 3000 Euro aus eigener Tasche zahlen. Das ist mehr als doppelt so viel wie noch vor 10 Jahren. Immer mehr ältere Menschen können sich das nicht mehr leisten. Sind die Rücklagen aufgebraucht, bleibt nur noch ein kleiner Schonbetrag eine Art Taschengeld. Für den großen Rest muss das Sozialamt einspringen. Ein drastisch gestiegener Aufwand für die Instandhaltung der Pflegeheime sowie höhere Löhne lassen die Kosten explodieren und führen zu leeren Kassen bei der Pflegeversicherung.
Aber auch für die Jungen schaut die Zukunft nicht eben verheißungsvoll aus. »Das Versprechen, dass es den Kindern wirtschaftlich besser gehen wird als den Eltern, ist vermutlich nicht mehr einzulösen«, sagte der 75-jährige Ökonom Klaus Regling vor einigen Wochen dem Handelsblatt. Wie Vampire suchen derweil Politiker nach Möglichkeiten, die Bürger finanziell bluten zu lassen. »Es geht darum, zu sehen, wo überhaupt finanzielle Mittel sind«, sagte Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek kürzlich bei Caren Miosga. Das anstehende Bargeldverbot und die neue Schnüffelbehörde AMLA dürften dabei gute Dienste
leisten. Und das soll das beste Deutschland aller Zeiten sein? Quelle: Kopp Verlag, Autor Michael Brückner



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