Warum Anleger Jahresend-Prognosen ignorieren sollten
- Holbach News

- 8. Jan.
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Zum Jahresende überbieten sich Börsenexperten mit exakten Prognosen fürs kommende Jahr: Wer sein Geld seriös anlegt, ignoriert sie.

Erstens können Finanzspezialisten genauso wenig in die Zukunft blicken wie andere Menschen, und so erweisen sich ihre Prognosen immer wieder als falsch. Die Finanzmärkte sind einfach zu komplex für genaue Vorhersagen, und viele Entwicklungen erwischen die Anleger auf dem falschen Fuss – man denke nur an die Covid-Krise.
Zweitens sind die Prognosen der Finanzleute oftmals verzerrt. Banker müssen zu einem gewissen Grad Berufsoptimisten sein. Sie und ihre Arbeitgeber haben jedenfalls kein Interesse daran, schlechte Stimmung zu verbreiten – denn dann ziehen sich Anleger zurück und kaufen keine Finanzprodukte.
Drittens sind die Experten der Finanzinstitute meistens auch Verkäufer. Bei ihren Empfehlungen berücksichtigen sie oft die Anlagen, die ihr eigenes Haus im Angebot hat. Das ist grundsätzlich nicht verwerflich – im Apple-Shop werden den Kunden auch keine Samsung-Handys verkauft. Allerdings sollten sich die Anleger bewusst sein, dass Studien von Finanzinstituten, die unabhängig scheinen, dies im Allgemeinen nicht sind.
Viertens regen viele Prognosen die Anleger dazu an, kurzfristig zu denken und möglichst viel an der Börse zu handeln. Davon profitieren Banken, da sie Kommissionen und Gebühren einnehmen. Für die Kunden hat dies aber einen negativen Effekt: Durch das Hin und Her entstehen unnötige Kosten, die auf die Rendite drücken. Zudem wird die Anlagestrategie nicht stringent durchgezogen. (Autor: Michael Ferber), Quelle: NZZ Meinung.



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