„Unter Migranten habe icheinen großen Fanclub“
Bestsellerautor und Ex-SPD-Politiker Thilo Sarrazin
Die Linke wirbt auch in islamistisch geprägten Milieus – und war damit in Berlin erfolgreich. Was hat das zu bedeuten? Im Interview spricht Thilo Sarrazin über den Wahlsieg der Linken, die Gefahren des Islamismus und über Migranten, die sich als seine Fans outen.

INTERVIEW MIT THILO SARRAZIN am 25. September 2026
Herr Sarrazin, am Sonntag fanden die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus statt. Die Linke ging als Sieger hervor, die SPD hat mit 12 Prozent ein historisch schwaches Ergebnis eingefahren. Wie erklären Sie sich das Ergebnis der Partei, der Sie 47 Jahre lang angehört haben und die Sie 2020 rausgeschmissen hat?
Was soll ich dazu sagen? Die Partei ist in den Händen einer linken Funktionärsclique, die ihren machtpolitischen Interessen und ihren ideologischen Zielen folgt, aber nicht den Interessen der Stadt und der Menschen. Nur ein einziger Wahlkreis wurde von der SPD gewonnen. Die SPD stellt nur noch einen direkt gewählten Abgeordneten im Abgeordnetenhaus. Das heißt, diejenigen, die dort jetzt sind, sind alle über die Liste hochgekommen. Damit sind sie nicht mehr unmittelbar von den Berliner Bürgern abhängig, sondern von den Parteifunktionären.
Was haben Sie gedacht, als Sie gehört haben, dass Clan-Boss Issa Remmo auf der Neuköllner Wahlparty der Linken war?
Auch Clans verfolgen ihre Interessen und suchen den Zugang zur Macht. Offenbar sehen sie
Chancen, über eine regierende Linke Zugang zur Macht zu gewinnen. Das stimmt einen natürlich besorgt, wenn man befürchtet, dass jetzt ein Linker, der die Verwaltung bekommt
und damit indirekt auch die Polizei unter sich hat, Einfluss gewinnt.
Es ist bekannt, dass in der Berliner Polizei mehr Mitarbeiter mit migrantischem Hintergrund eingestellt werden. Dann haben wir Strukturen, die wir teilweise aus den USA kennen und wie sie auch schon in Hannover deutlich geworden sind, wo ein Staatsanwalt mit entsprechendem Migrationshintergrund letztlich im Dienst der falschen Seite stand.
Der andere Punkt ist natürlich, dass man sieht, wie der wachsende migrantische Anteil in Berlin, auch zusammen mit der Einbürgerung und Ausweitung des Staatsbürgerrechts, konkrete Folgen für das Wahlverhalten hat. Wenn Sie sich anschauen, dass die Linke in bestimmten Stadtvierteln besonders viele Stimmen bekommen hat, wo auch besonders viele
Islamisten mit ihren Anhängern leben, dann ist das schon ein Thema.
Wie betrachten Sie die Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp, die möglicherweise auch die künftige Regierende Bürgermeisterin Berlins wird?
Die Spitzenkandidatin Eralp, die ich gar nicht näher kenne und die in den Medien sympathisch rüberkommt, hat interessanterweise gesagt, als ihr am Wahlabend antisemitische Tendenzen vorgehalten wurden, die es in Teilen dieser Partei beziehungsweise dieses Milieus gibt, dass sie den Schutz von Juden und den Schutz von Muslimen in Berlin mehr oder weniger gleichgesetzt hat.
Ich warte auf den Tag, an dem man Islamkritik und Antisemitismus moralisch auf dieselbe Stufe stellt. Das wird die nächste Konsequenz sein. Insofern kann man hier viele Sorgen haben. Ich will jetzt nicht unterstellen, dass die künftige Bürgermeisterin Eralp schlechten Willens ist. Aber ich kenne das aus meiner eigenen ehemaligen Partei: Es gibt breite Strömungen, die an der Basis wabern und in der eigenen Wählerschaft vorhanden sind. Auch als gutwilliger Parteivorsitzender kann man solchen Strömungen nur begrenzt entgegentreten. Hier beginnt eine neue Dynamik mit noch unbekanntem Ausgang.
Welche Folgen wird es haben, wenn Islamkritik und Antisemitismus moralisch auf dieselbe Stufe gestellt wird?
Ich fand es interessant, wie die SPD damals mein Parteiausschlussverfahren wegen meines Buches „Feindliche Übernahme“ begründet hat. Der Kernvorwurf war „antimuslimischer Rassismus“. Die wachsende Rolle der Linkspartei könnte dazu führen, dass Islamkritik immer stärker in die rechte Ecke verschoben wird. Das wiederum stärkt die AfD. Die Antwort auf den Aufstieg der Linken wird eine weitere Verschiebung im konservativen Bereich von der CDU zur AfD sein.
Die Linkspartei wirbt gezielt um muslimische Wähler, darunter auch konservative und islamistisch geprägte Milieus. Sehen Sie in Berlin eine Entwicklung, wie wir sie aus Frankreich, Belgien oder Großbritannien bereits stärker kennen – eine zunehmende Verbindung von linker Politik und islamisch geprägten Milieus?
Der Islamo-Gauchismus ist ein Phänomen, mit dem ich mich schon vor langer Zeit auseinandergesetzt habe. Damals hatte es noch nicht diesen Namen. Diese eigentümliche Affinität zwischen Linken und Muslimen ist interessant. Das Feindbild Kapitalismus ist durch den Zusammenbruch des Ostblocks für die Linke weitgehend verloren gegangen.
Stattdessen kam das Thema Dritte Welt. Die Linke hatte immer eine Sympathie für die sogenannte Dritte Welt, weil das die neuen Arbeiter seien, eine neue ausgebeutete Klasse. Diese Sympathie für die Dritte Welt hat sie jetzt auch auf die Palästinenser übertragen. Und
nun lautet das Schema: Die Juden sind Kapitalisten, sie sind mit den USA verbunden, sie vertreten das Kapital, sie vertreten das Böse, sie sind geldgierig. Und damit passt das ganze Schema wunderbar auf typische antisemitische Erklärungsmuster, wie sie sich bereits die Nationalsozialisten zunutze gemacht haben.
Sie sprechen Hitlers Beziehung zum Mufti von Jerusalem an?
Es ist interessant, dass es enge historische Verbindungen zwischen den Nationalsozialisten und Teilen der arabischen beziehungsweise palästinensischen Führung gab. Der Mufti von Jerusalem wurde von Hitler empfangen. Eine muslimische Division der Waffen-SS wurde 1943 in Bosnien aufgestellt. Es gab ganz viele Verbindungen.
Antisemitische Gefühle sind gerade in der deutschen Bevölkerung mit einem absoluten Tabu belegt. Wer sie hat oder äußert, wird sich das dreimal überlegen, selbst wenn er sie hat. Über den Umweg von Palästina-Solidarität, Kapitalismuskritik und letztlich der Ablehnung von Islamkritik kommt aber jetzt manches wieder hoch.
Sie haben in Ihrem Buch „Deutschland schafft sich ab“ auch das große Integrationsproblem in Berlin analysiert. Was würde es Ihrer Meinung nach für das Thema Integration in Berlin bedeuten, falls es eine linke Regierende Bürgermeisterin gibt?
Ich hatte das Thema später noch einmal in meinem islamkritischen Buch „Feindliche Übernahme“ vertieft, das 2018 erschien und damals auch der Anlass war, das Parteiausschlussverfahren gegen mich zu betreiben.
Durch die Wucht der demografischen Veränderungen und durch den Einfluss des Islamismus ist es schon so, dass – unabhängig davon, welche Partei in den vergangenen 30
Jahren regierte – die Dinge kontinuierlich in die falsche Richtung gingen. Das Thema Integration hängt weniger von einzelnen politischen Entscheidungen ab. Es hängt von der schieren Menge der Menschen ab, um deren Integration es geht, und von ihren kulturellen Grundeinstellungen.
Sie sprechen von demographischen Veränderungen, die stärker sind als die Gestaltungsmöglichkeiten der Politik. Welche Folgen hat das?
Wenn es ganze Viertel gibt, die im Wesentlichen von Arabern besiedelt sind, wo beispielsweise Mädchen ab zwölf Jahren von zuhause aus zum Tragen eines Kopftuchs gezwungen werden, dann ist natürlich auch das Schulklima entsprechend. Viele deutsche beziehungsweise alteingesessene Kinder oder Kinder anderer Herkunft sind dort heute schon in der Minderheit. Die Eltern schauen dann, dass sie ihre Kinder von diesen Schulen wegbringen.
Ich erinnere mich noch daran, als ich Finanzsenator war. Klaus Wowereit sagte damals in einer Sendung des RBB zu den Verhältnissen in Berlin-Kreuzberg, dass er, wenn er ein Kind hätte, es dort niemals zur Schule schicken würde.
Das gab damals einen Skandal und einen öffentlichen Aufruhr. Er hat die Äußerung aber nicht weiter relativiert, sondern einfach stehen lassen. Das, was sich damals andeutete und auch der Anlass für die entsprechenden Passagen in „Deutschland schafft sich ab“ war, hat sich weiterentwickelt.
Ich war nicht der Einzige. Es gab Kirsten Heisig mit ihrem Buch „Das Ende der Geduld“. Es gab Heinz Buschkowsky mit „Neukölln ist überall“. Das, was man damals sehen konnte, hat sich weiterentwickelt und sich mittlerweile großflächig über weite Teile der Stadt ausgebreitet.
Was sagen Sie Bürgern, die meinen, Berlin sei eine „verlorene Stadt“?
Nein. Berlin kann sich in eine günstige oder in eine ungünstige Richtung entwickeln. Berlin ist eine hoch widersprüchliche Stadt. Diese Widersprüchlichkeit hat Folgen für das Zusammenleben der Menschen und für die Frage, wie sehr sie sich mit dieser Stadt identifizieren und ob sie sich in ihr wohlfühlen.
Aber sonst geht das Leben immer weiter. Neapel ist auch nicht tot. Kapstadt ist nicht tot. Johannesburg lebt. São Paulo lebt, Kalkutta lebt. Es gibt ein Wort von Peter Scholl-Latour, der vor einigen Jahrzehnten gesagt hat: „Wer halb Kalkutta aufnimmt, rettet nicht Kalkutta, sondern wird selbst Kalkutta.“
Sie wohnen selbst in einem privilegierteren Bezirk in West-Berlin. Gibt es Stadtviertel in Berlin, die Sie meiden?
Ich bin da in einer besonderen Rolle. Ich war jahrelang in einer gewissen Gefährdungslage. Das Landeskriminalamt hat mir schon im Jahr 2010 Empfehlungen gegeben, wo ich mich bewegen und wo ich mich nicht bewegen soll. Ich fahre selbstverständlich mit der U-Bahn. Aber ich fahre nicht überall, nicht zu jeder Zeit und nicht mit jeder U-Bahn.
Es gibt auch sehr spannende Entwicklungen. Man würde es gar nicht glauben: Unter Migranten habe ich einen großen Fanclub. Vor einiger Zeit war ich zu einem Notartermin Unter den Linden. Ich kam aus dem Notariat, und draußen erkannten mich ein Araber und ein junger Dunkelhäutiger. „Ey, sind Sie der Sarrazin?“ Ich habe etwas gezögert und gesagt: „Ja.“ „Boah, ey, das ist ja geil. Dürfen wir ein Selfie mit Ihnen machen?“ Meine Frau war auch dabei. Wir machten ein Selfie, was öfters vorkommt.
Dann gingen wir weiter. Wir fuhren in die Friedrichstraße und stiegen in Stadtmitte in die U2 ein, um nach Hause zu fahren. Die U-Bahn war voll, weil irgendetwas ausgefallen war. Wir standen im Gang. Am Gleisdreieck stieg ein Mann mittleren Alters, etwa 45 oder 50, hagere Körperstatur, aus. Er drängte sich an uns vorbei durch. Als er in der U-Bahntür stand und die Tür sich bereits schließen wollte, rief er mir über die Menge hinweg zu: „Leute wie Sie sollte man umbringen.“ Dann war er draußen. Zack. Die Tür schloss sich. Das war so ein typischer linksautonomer Kreuzberger oder sonst irgendetwas. Wenn ich Termine in Kreuzberg habe – was nicht häufig der Fall ist –, nehme ich das Taxi.
Sie haben gerade gesagt, dass es unter Migranten einen „Sarrazin-Fanclub“ gibt. Was sagen diese Menschen Ihnen?
Ich war einmal wegen zu schnellen Fahrens für einige Wochen führerscheinlos. In dieser Zeit hatte ich einen Termin in Potsdam und bestellte mir ein Taxi. Der aus der Türkei stammende Fahrer fuhr mich nach Potsdam, hinten herum über Spandau. Das war ein Sarrazin-Fan. Er erklärte mir, die Türken seien alle in Ordnung, aber die Araber seien schlimm. Das seien alles Verbrecher. Wir haben uns dann ungefähr 35 Minuten darüber unterhalten, dass er fand, die Araber seien alle Verbrecher, während ich ihm zu erklären versuchte, dass nicht alle Araber in Berlin Verbrecher sind.
Es gibt auch andere Beispiele. Ich war einmal auf einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer. Abends ging ich hinaus zu meinem Auto. Ich parkte rechts an der Hardenbergstraße, es war bereits dunkel. Hinter mir sah ich zwei junge Araber, die in ihr Auto stiegen. Da beeilte ich mich, in mein Auto zu kommen. Ich fuhr rechts herum, die Kantstraße hoch, und blieb an einer roten Ampel vor dem Savignyplatz stehen. Der Wagen mit den beiden Arabern fuhr links neben mir. Sie machten Zeichen. Ich kurbelte das Fenster herunter, sie ebenfalls. Dann stellten wir fest, dass sie beide Fans von mir waren und sagten, ich hätte völlig recht. Die Ampel wurde grün, sie gaben Gas und fuhren davon. Hinten sah ich noch den Namen ihrer Gebäudereinigung. Das waren junge Männer, die sich mit ihrer eigenen Firma selbstständig gemacht hatten. Sie waren Sarrazin-Fans.
Wie erklären Sie sich das?
Der Teil der Migranten, auch konservative Migranten, der hier Fuß gefasst hat, arbeitet und sich eine eigene Existenz aufgebaut hat, findet es natürlich gar nicht gut, wenn das Image, das er sich mühsam in einer fremden Welt aufgebaut hat, ständig von Menschen beschädigt wird, die ihm selbst peinlich sind. Insofern gibt es hier eine gewisse Spaltung.
Als Sie 2010 „Deutschland schafft sich ab“ veröffentlichten, waren Sie eine Persona non grata. Angela Merkel sagte damals in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Ihr Buch, dass es „nicht hilfreich“ sei und dass sie es nicht gelesen habe. Was hat dieser Hass auf Ihre Person mit Ihnen gemacht?
Zunächst einmal hatte ich die Unterstützung meiner Familie. Dann habe ich eine wunderbare Fähigkeit, Dinge einfach nicht zur Kenntnis zu nehmen. Ich habe zum Beispiel bis heute niemals meinen Namen „Sarrazin“ im Internet gesucht. Ich interessiere mich nicht
dafür, was irgendwer über mich schreibt. Ich habe einen Instagram-Account, der ganz gut läuft. Dort wird fast jede Woche einmal ein Spruch oder etwas anderes gepostet. Sonst bin ich aber nicht besonders in der Social-Media-Welt unterwegs. Diese ganze Blase betrifft mich eigentlich nicht. Außerdem hatte ich immer einen stabilen Fanclub, der mal größer und mal kleiner war. Insofern hat das Ganze mein Selbstbewusstsein nicht weiter beschädigt.
Sie sagen, Sie hätten gelernt, Dinge nicht an sich heranzulassen. Sie wurden über viele Jahre öffentlich stark angegriffen. Was macht so etwas mit dem Freundeskreis oder mit der Familie?
Man sieht schnell, wo die Opportunisten sitzen. Wer sich aus Gründen, weil es gerade schick war oder aus opportunistischen Gründen, dem Finanzsenator Sarrazin mit seinen Erfolgen und für die Stadt angenähert hat und sich am Ende distanziert, wenn eine Distanzierung verlangt wird, dann ist das eben so. Man darf sich über die menschliche Natur keine übermäßigen Illusionen machen. Die meisten Menschen schwimmen mit dem Mainstream.
Sie leben zunächst einmal in ihrer individuellen sozialen Blase. Man neigt einfach zu der
Meinung, die man als allgemeine Meinung wahrnimmt.
Ich habe gerade meine Memoiren abgeschlossen und dafür viele alte Unterlagen durchgesehen, darunter Briefe, die ich meinen Eltern geschrieben habe. Dabei habe ich auch meine politischen Ansichten von damals reflektiert. Ich war regelmäßiger Spiegel-Leser. Und erst heute habe ich gemerkt, dass zwischen meinem 18. und meinem 26. Lebensjahr ein großer Teil meiner Ansichten im Wesentlichen von meiner Lektüre geprägt wurde. Später habe ich mich davon befreit. Ich lese den Spiegel heute nicht mehr – auch weil er nicht mehr der alte Spiegel ist.
Welche Medien lesen Sie?
Ich lese regelmäßig den Economist. Den bekomme ich einmal in der Woche elektronisch. Gelegentlich lese ich auch andere Zeitungen oder Zeitschriften. Die NZZ beispielsweise hat viele sehr gute Beiträge. Aber man kann nicht alles lesen. Man kommt sonst nicht mehr zum
Denken.
Würden Sie sagen, dass Sie in den letzten Jahren rehabilitiert wurden? Man kann kaum leugnen, dass sich die öffentliche Debatte seit 2010 verändert hat und Ihre Thesen heute anders betrachtet werden.
Immerhin konnte ich im August ein Interview in der Zeit veröffentlichen. Das wäre über fünfzehn Jahre hinweg nicht möglich gewesen. Und ja, ich merke es. Wenn ich auf die Straße gehe, an der Art, wie ich angeschaut und angesprochen werde, merke ich, dass sich etwas verändert hat. Ich bin im Jahr 2009 aus der aktiven Politik ausgeschieden. Wen kennt man noch von meinen damaligen Senatskollegen?
Man kennt Klaus Wowereit, natürlich. Man kennt Gregor Gysi. Bei Michael Müller habe ich Zweifel. Sonst kennt man keinen mehr. Auch geschätzte Kollegen wie der Innensenator Erhart Körting, mit dem ich gut zusammengearbeitet habe, sind heute kaum noch bekannt. Dass ich dagegen fortwährend bekannt bleibe, obwohl die Zeit schnelllebig ist und ständig neue Gesichter auftauchen, ist schon ein gewisses Indiz.
Ein Indiz für was?
Ich habe zu einem bestimmten Zeitpunkt, als die meisten das noch nicht so sahen – 2009 ging es los, mit dem Interview in Lettre International –, gewisse Dinge festgestellt, an Zahlen festgemacht und ausformuliert, die bei vielen überhaupt nicht im Fokus standen, bei anderen zum absoluten Tabu erklärt wurden und bei Dritten wiederum wie eine Befreiung wirkten, weil es endlich einmal jemand ausgesprochen hatte. Diese Befreiung bleibt hängen – bei türkischen Taxifahrern, bei Konzertbesuchern, bei Hausfrauen auf dem Markt, bei jungen Arabern. Insofern bin ich, wenn man so will, ein Symbol geworden.
Das Gespräch führten Max-Emanuel Hampel und Clemens Traub.



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