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Beamtenpensionen: Die tickende Schuldenbombe

Rund 2 Millionen Beamte gibt es in Deutschland. Sie sind dem Staat pro Jahr mindestens 170 Milliarden Euro wert. In fast keinem anderen EU-Land sind zum Beispiel so viele Lehrer verbeamtet wie hierzulande. Kein Wunder, dass viele »BRD« mit »Beamtenrepublik Deutschland« übersetzen. Doch das dicke Ende kommt noch: Die Babyboomer-Generation unter den Beamten geht in den nächsten Jahren in Pension. Dann wird es richtig teuer.

»Wer soll das bezahlen?« So lautet der Kehrreimbeginn eines bekannten Karnevalsschlagers aus den 1940er-Jahren, der sich bis heute nicht nur großer Popularität, sondern mit Blick auf die öffentlichen Kassen auch zunehmender Aktualität erfreut. Ob in der Rentenkasse oder in der gesetzlichen Krankenversicherung – überall klaffen Lücken in Milliardenhöhe. Der Bundeskanzler nennt die Rente nur noch eine Basisabsicherung fürs Alter, obwohl die Erwerbstätigen – im Gegensatz zu den Millionen »Schutzsuchenden« – dort jahrzehntelang einbezahlt haben. Die Leistungen der Krankenkassen dürften ebenfalls bald weiter eingeschränkt werden. Hinzu kommen gigantische Ausgaben für den Rüstungs- und Klimawahn.


Leise tickende Schuldenbombe

Und dann tickt da noch eine weitere fiskalische Schuldenbombe – relativ leise, meist unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, nur ab und zu thematisiert. Dabei sind die Summen, um die es geht, wahrlich atemberaubend: etwa 230 Milliarden Euro jährlich. So viel gibt der Staat für seine aktiven Beamten und sei ne Pensionäre aus. Und das ist noch nicht genug. Nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts muss der Staat seine Beamten noch fürstlicher alimentieren. Allein für die Bundesbeamten dürften dadurch nach Berechnungen des Bundesinnenministeriums jährliche Mehrkosten in Höhe von 3,5 Milliarden Euro entstehen. Staatsdiener im gehobenen und höheren Dienst verdienen aktuell zwischen 4000 und 9000 Euro im Monat (brutto). Spitzenbeamte liegen deutlich über 10 000 Euro.


Hinzu kommen weitere Privilegien. Während Angestellte und Arbeiter in wirtschaftlich schwierigen Zeiten um ihre Jobs bangen müssen, sind Beamte unkündbar. Sie zahlen keine Rentenbeiträge, genießen im Alter hohe Pensionen und erfreuen sich einer planbaren Work-Life-Balance. Da kann es wenig überraschen, dass beinahe jeder zweite Jungakademiker eine

sichere Beamtenkarriere anstrebt. Besonders attraktiv ist dabei eine Tätigkeit als verbeamteter Lehrer. Tatsächlich gibt es in Deutschland rund 700 000 verbeamtete Lehrkräfte. Sie stellen damit über 30 Prozent aller Beamten. Deutschland gehört somit zu den Ländern mit den meisten verbeamteten Lehrern in Europa. Besonders hoch ist der Anteil der Beamten unter den Schulbeschäftigten in Baden-Württemberg (über 92 Prozent), vergleichsweise gering in Berlin (28,2 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (30,4 Prozent).


Müssen Lehrer Beamte sein?

Laut Grundgesetz muss »die Ausübung hoheitsrechtlicher Befugnisse in der Regel« an Beamte übertragen werden. Doch was heißt schon »in der Regel«? Und erfüllen Lehrer eigentlich »hoheitsrechtliche Befugnisse« wie Polizisten oder Beschäftigte in der Justiz, im Militär oder in der Finanzverwaltung? In Österreich werden schon seit 1997 auf Bundesebene größtenteils nur noch Mitarbeiter in Justiz, Polizei und Militär verbeamtet. Daran könnte sich Deutschland ein Beispiel nehmen, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen. Und weiter: »Das Berufsbeamtentum ist so, wie wir es uns leisten, schon lange nicht mehr zeitgemäß.« Geschehen ist bislang wenig bis nichts. Eher im Gegenteil. Die schwarz-rote Bundesregierung geht sogar mit schlechtem Beispiel voran. Seit ihrem Amtsantritt habe sie über 200 neue Beamtenstellen geschaffen, berichtete unlängst die Neue Zürcher Zeitung (NZZ). Was brauchte man zum Beispiel, als das neue Digitalministerium geschaffen wurde? Richtig, neue Beamte. Man könne sich durchaus die Frage stellen, warum ein Social-Media-Manager verbeamtet werden müsse, fragt denn auch die NZZ.


Ein Argument für die Verbeamtung vor allem von Lehrern lautet, ohne diesen Anreiz sei es noch schwieriger, geeignetes Personal zu finden. Darf man daraus den kühnen Schluss ziehen, dass ein Großteil der Lehrkräfte nur mit Blick auf die damit verbundenen Privilegien und damit auf den eigenen Vorteil diesen Beruf ergreift?


Wie dem auch sei, jedenfalls steigt die Zahl der Beamten insgesamt scheinbar unaufhörlich. Allein zwischen 2014 und 2024 wuchs die Zahl der Staatsdiener um fast 6 Prozent – von 1,84 Millionen auf etwa 2 Millionen (jeweils einschließlich Richtern und Soldaten). Die meisten von ihnen arbeiten vor allem wegen des hohen Lehreranteils in den Bundesländern.


Was bedeutet dies? Es bedeutet, dass immer mehr Steuermittel aufgebracht werden müssen, um den »Beamten und ihren Familien lebenslang einen angemessenen Unterhalt gewähren« zu können, wie es in einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts heißt. Wie auch immer geartete Kürzungen haben Beamte nicht zu befürchten. Insofern brauchen sie die gegenwärtigen Reformdebatten angesichts wachsender Schuldenberge nicht zu sorgen.


Zahl der Pensionäre steigt deutlich

Die Forderung nach einem »angemessenen Unterhalt« gilt lebenslang, mithin auch dann, wenn die Beamten in den Ruhestand gehen. Für den Staat, also Bund, Länder und Gemeinden, wird es dann erst richtig kritisch. Da nämlich Beamte keine Beiträge in die Rentenversicherung leisten, werden die Pensionen aus der Staatskasse, also mit Steuergeld, bezahlt. Schon heute sind die Pensionslasten für Beamte in Deutschland exorbitant hoch – und sie werden weiter dramatisch steigen. Wie aus Angaben des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, wurden im Jahr 2024 knapp 60 Milliarden Euro für Pensionen ehemaliger Beamter und zusätzlich rund 9 Milliarden Euro für die Hinterbliebenenversorgung gezahlt. Anfang 2025 gab es in Deutschland etwa 1,24 Millionen Pensionäre und rund 382 000 Hinterbliebene. Die durchschnittliche Pension lag bei rund 3416 Euro brutto im Monat. In diese Berechnung einbezogen sind natürlich auch die Pensionen von Beamten, die während ihrer Dienstzeit vergleichsweise geringe Bezüge erhielten (einfacher bis mittlerer Dienst) und deren Pensionen natürlich deutlich unter dem genannten Durchschnittswert liegen. Im höheren Dienst und bei voller Laufbahn kann die Brutto-Pension schon mal bei 7000 Euro und mehr liegen. Die Höhe der Pension ist in Paragraph 14 des Beamtenversorgungsgesetzes geregelt.


Die Zahl der Pensionäre wird in den nächsten Jahren deutlich steigen. Denn zum einen haben viele Länder und der Bund in den zurückliegenden Jahren vergleichsweise viele Beamte eingestellt (Lehrer, Polizei und Verwaltung) und zum anderen macht sich, ähnlich wie in der gesetzlichen Rentenversicherung, auch bei den Beamtenpensionen der Babyboomer-Effekt bemerkbar. Das heißt, in den kommenden Jahren gehen deutlich mehr Beamte in den Ruhestand. Laut Versorgungsbericht dürften allein beim Bund die Versorgungsausgaben von jetzt knapp 20 Milliarden Euro jährlich auf rund 31 Milliarden Euro bis 2060 steigen.


Die tatsächlichen zukünftigen Verpflichtungen liegen freilich deutlich höher. Schätzungen für Bund, Länder und Gemeinden zusammen belaufen sich auf einen hohen dreistelligen Milliardenbereich. Werden alle künftigen Ansprüche bilanziell bewertet, reichen die Schätzungen sogar bis auf eine Billion Euro.


Verfügungsmasse der Politik

Gleichzeitig steigen die staatlichen Zuschüsse für die gesetzliche Rentenkasse und die Krankenversorgung, überdies sollen in den nächsten Jahren gewaltige Summen in die Rüstung fließen. Da stellt sich schon die eingangs erwähnte, gar nicht so lustige Frage, wer diesen Aufwand bezahlen soll. Bund und Länder haben zwar teilweise Pensionsfonds aufgebaut. Doch erstens reichen die damit erzielten Kapitalerträge längst nicht aus, um die Beamtenpensionen der Zukunft zu finanzieren. Und zweitens werden diese Fonds gleichsam als Verfügungsmasse der Politiker angesehen. Wird das Geld knapp, langt man einfach in den Pensionsfonds. So geschehen zum Beispiel in Schleswig-Holstein. Vor 2 Jahren griff die Landesregierung auf den Fonds zurück, um Haushaltslöcher zu stopfen. In Rheinland-Pfalz wurde ein seit den 1990er-Jahren bestehender Pensionsfonds 2017 aufgelöst. Angesichts solcher Erfahrungen fordert Volker Geyer, Bundesvorsitzender des Deutschen Beamtenbundes, Rücklagen, »die dem Zugriff der Politik entzogen sind«.


Arbeitsministerin Bas zog unlängst wieder einmal einen ziemlich alten Hut aus der politischen Trickkiste: Der Staat sollte Beamte direkt in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen. Ökonom Raffelhüschen warf Bas daraufhin vor, »mit der Insolvenz der Rentenversicherung zu spielen«. Denn zum einen müssten dann die Bezüge der Beamten um den Beitrag für die Rentenversicherung um 9,3 Prozent erhöht werden. Gleichzeitig fiele ein gleich hoher Arbeitgeberbeitrag an, der von Bund, Ländern und Gemeinden zu tragen wäre. Überdies müsste die Rentenversicherung erhebliche Leistungen an die Beamten zahlen, denn deren Rentenniveau liegt bei 70 Prozent der letzten Bezüge. Davon können Angestellte und Arbeiter nur träumen.


So ist also davon auszugehen, dass die zunehmende Pensionslast zu einem großen Teil durch höhere Steuern und eine weiter steigende Staatsverschuldung geschultert werden dürfte. Die Politiker von heute haben das dann vermutlich nicht mehr zu vertreten. Sie sind nicht mehr im Amt. Es sei denn, Friedrich Merz gedenkt, mit 100 Jahren nochmals als Kanzlerkandidat anzutreten. Quelle Kopp exklusiv

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