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Unsere lehrreichsten Fehler


Die plötzliche Implosion des Multimilliarden-Hedge-Funds mit dem ironischen Namen «Situational Awareness» durch zu viel Leverage hat uns veranlasst, auf unsere eigenen dümmsten Anlagefehler zurückzublicken. Zur Abschreckung und allgemeinen Belustigung teilen wir diese gerne mit unseren Lesern.


Die Hoffnung auf ein Wunderkind berührt wohl ein tiefmenschliches Bedürfnis. Anders ist es kaum zu erklären, dass Anleger einem Mitzwanziger mit Null Anlageerfahrung mehrere Hundert Millionen Dollar anvertraut haben. Leopold Aschenbrenner, ein ehemaliger Mitarbeiter von OpenAI, ritt damit den gigantischen Momentum-Markt des AI-Booms. Durch den äusserst aggressiven Einsatz von Leverage erreichte sein Fonds in der Spitze einen Wert von 45 Milliarden Dollar, ehe das gehebelte Konstrukt im Juli mit einem Monatsverlust von 67% in sich zusammenbrach.


Aschenbrenner verbleit nach dem Zwangsverkauf seiner Aktien eine Beteilung an Anthropic und anderen privaten Investments. Für die Zukunft gelobte das Wunderkind, auf den Einsatz von Leverage zu verzichten. Die Lektion daraus ist einmal mehr, dass die Kombination von

Unerfahrenheit und Selbstüberschätzung mit dem Einsatz von Hebelwetten praktisch immer im Desaster endet – selbst wenn man wie Aschenbrenner in der Sache sogar eine Zeit lang völlig richtig lag.


Praktisch jeder Anleger ist dazu verdammt, zu Beginn seiner Investitionstätigkeit ähnliche Fehler zu machen. Wobei natürlich jeder glaubt, er sei die Ausnahme von der Regel.


Zur Abschreckung oder allgemeinen Belustigung erzählen die Quantex-Teammitglieder in der Folge von ihren grössten Anlegerfehlern. Es handelt sich ebenso wie bei Aschenbrenner grösstenteils um Fehler, die wir in unseren jeweiligen Zwanzigern gemacht haben – ein Alter, wo sich Ungeduld mit Hybris paart. Das Gute dabei war, dass wir dieses Lehrgeld mit unserem eigenen Mitteln bezahlt haben. Jetzt als professionelle Geldverwalter machen wir andere, hoffentlich ausgefeiltere Fehler. Aber diese können Sie ja mit den Quantex-Fonds in Echtzeit mitverfolgen.


Peter Zeier: Wertlos ausgebucht


Ende der 90er-Jahre war die Börseneuphorie grenzenlos und als junger Lehrling in der grossen Bankwelt wusste ich noch nichts vom Investieren, aber ich wollte trotzdem dabei sein. Neben ein paar «langweiligen» Aktien (wie dem Bierbrauer Feldschlösschen) war aber schnell klar, dass man mit Optionen und Warrants das grosse Geld macht. Also habe ich den monatlichen Lehrlingslohn in Warrants von Schweizer Bluechips wie Zürich, UBS oder Roche «investiert». Spätestens mit dem Platzen der Dotcom-Blase und der heftigen Marktkorrektur wurde mir klar, dass meine Anlagestrategie ihre Schwächen hatte. Wöchentlich kamen die netten Briefe meiner Bank mit dem unmissverständlichen Betreff «Wertlos ausgebucht». Natürlich kannte ich zu jenem Zeitpunkt André Kostolany noch nicht, sonst hätte ich mich vielleicht an eines seiner Zitate erinnert: «Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reicht wird; ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden.» Seit meinen Anfängen verzichte ich daher (meistens) auf Anlagen mit Hebel und einem Verfall, weil das Timing einfach nur Glücksache ist. Froh bin ich aber, dass ich meine Lektion damals mit relativ wenig Kapitaleinsatz gelernt habe. Peter Zeier, CEO Quantex



Maurice Rüegg: Party like it’s 1999


Im Jahr 1999 war ich 21 Jahre alt und bereit für meinen ersten Aktienkauf. Die Börse machte "Party like it's 1999" und ich wollte dabei sein. Ich hatte mit mehreren Sommerjobs ein bisschen Geld auf die Seite legen können. Mein Vater meinte allerdings: "Pass auf, die Börse ist teuer!" Nur: ich verstand seine Aussage kaum. Teuer? Ich hatte eben erst mein Studium als Ingenieur angefangen, und in unseren Labors standen überall die coolen Workstations von Sun Microsystems. Also kaufte ich Aktien von Sun. Ich kaufte, ohne eine Ahnung zu haben, ob und wie die Firma Geld verdiente, ob sie Schulden hatte oder eine Dividende zahlte, ganz abgesehen von irgendwelchen Bewertungskennzahlen. In den darauffolgenden Monaten wurde ich aus Sicht eines Studenten reich. Ich verfolgte täglich via Teletext die Börsenkurse von Sun. Ich erlebte eine Kursverdoppelung. Mein Vater zweifelte an sich selbst und seiner Einschätzung zur Börse. Ich hingegen sagte mir: Investieren ist einfach! Und ich fragte mich: welche Aktie steigt noch schneller als die von Sun? Oracle! Also: Verkaufen von Sun, kaufen von Oracle. Wir wissen alle, wie es geendet hat. Die Dot-com-Blase platzte und Oracle halbierte sich, worauf ich verkaufte und vorerst genug von der Börse hatte. Das Studenten-Konto blieb unter dem Strich verlustfrei, nur mein Ego hatte gelitten. Ich merkte mir: Mache keine Einzelwetten, sondern diversifiziere, bewerte ein Unternehmen nach Kennzahlen und nicht, weil es fasziniert. Versuche auf keinen Fall, schnell viel zu verdienen, sondern analysiere die Situation und ihre Gründe. Bleibe bescheiden und rational. Erst viel später habe ich das berühmte Zitat von Scott McNealy, dem Gründer von Sun Microsystems kennengelernt, wo er nach der Blase über die Bewertung seiner Firma zum zehnfachen des Umsatzes wetterte (siehe What were you thinking?). Stand Anfang August 2026 weisen über 10% aller Unternehmen im NASDAQ ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von mehr als 10 aus, darunter auch Nvidia, Alphabet und viele weitere Schwergewichte. McNealy lässt grüssen! Maurice Rüegg, IT



Peter Frech: Denn sie wissen, was sie tun


Rohstoffe waren im Tech-Boom der späten 1990er Jahre total out und weckten mein Interesse als Contrarian. Im folgenden Bergbau-Boom der Nullerjahre konnte ich phänomenale Gewinne einfahren. Selbst abenteuerliche Investments in Goldexplorationsfirmen im Kongo oder Uranminen in Namibia zahlten sich massiv aus. Am meisten Geld im Crash, der auf jeden Rohstoff-Boom folgt, verlor ich jedoch mit einem Investment, das ich für eine sichere Sache hielt: Mineral Securities. Dieses Konglomerat von Minenprojekten wurde unter der Führung eines Bergbau-Veteranen mit dem blumigen Namen Robert Champion de Crespigny zusammengezimmert. De Crespigny war ein Buchhalter, der aus dem Nichts mit einer Reihe guter Deals Australiens grössten Goldproduzenten Normandy Mining aufgebaut hatte, ehe er 2002 von Newmont geschluckt wurde. 2004 kehrte De Crespigny ins Minengeschäft zurück und ich war – so zumindest meine Überzeugung – von Anfang an mit dabei. Es folgte eine Reihe von Deals und Mergern, zuletzt mit einem neuen Kupferproduzenten namens CopperCo. Nebenbei las ich im Quartalsbericht vom März 2008, dass Mineral Securities einen Bankkredit von 30 Millionen aufgenommen hatte, um die Beteiligung an der Explorationsfirma Platmin zu erhöhen. Der Kauf von relativ illiquiden Aktien auf Kredit dünkte mich unnötig riskant, aber ich wischte meine Bedenken zur Seite mit dem Argument, dass so erfahrende Leute wie De Crespigny schon wissen, was sie tun. Es folgte der Lehman-Kollaps und im November war Mineral Securities/CopperCo Pleite, weil dieser Kredit nicht zurückbezahlt und in der Finanzkrise von 2008 auch nicht verlängert werden konnte. Die Firma wurde vom Konkursrichter abgewickelt und meine Aktien wertlos. Da Mineral Securities vor der Krise die grösste Position in meinem Depot war, führte dies prozentual zum schlimmsten Verlust in meiner Anlegerkarriere. Zwei Lektionen daraus habe ich verinnerlicht: Vertraue niemals blind auf prominente Namen mit noch so gutem Leistungsausweis. Und auch die vermeintlich klügsten Köpfe können sich mit Leverage ruinieren. Die wirklich klugen Investoren erkennt man daran, dass sie Spekulation auf Kredit möglichst meiden. Peter Frech, Fondsmanager




Livio Arpagaus: Ein hoher Buchwert schützt nicht vor dem Kollaps


Petroplus war für mich wohl das bestinvestierte Lehrgeld an der Börse. Damals betrachtete ich es natürlich ein wenig anderes. Hilfreich war, dass Petroplus so viele Lektionen in sich vereinte. Ende 2006 kam das Raffinerieunternehmen mit viel Hype an die Börse und ich kaufte die Aktie kurz darauf. Für über 100 Jahre gemeinsame Erfahrung wurde das Management gelobt. Dies war auch nötig, weil das Geschäftsmodell darin bestand, alte Raffinerien zu kaufen und diese profitabler zu machen. Nach dem Börsengang kaufte Petroplus fleissig Raffinerien, oft durch Schulden finanziert. Als dann ein Jahr später mit der Finanzkrise und neuen Konkurrenz-Raffinerien in China die historisch hohen Margen einbrachen, fiel das überschuldete Kartenhaus in sich zusammen. Ich hatte davon natürlich keine Ahnung und kaufte zuerst noch Call-Optionen und nochmals zusätzliche Aktien dazu, denn das Kurs/Buchwert-Verhältnis lag ja massiv unter Eins. Doch diese Value-Kennzahl konnte mich nicht vor einem Totalverlust bewahren. Die von mir gelernten Lektionen sind somit: 1. Kaufe keine Aktien kurz nach dem Börsengang. 2. Achtung vor gehypten Managern. 3. Zyklisch hohe Gewinne können über Nacht verschwinden. 4. Schulden sind gefährlich. 5. Grosse Übernahmen mit vielen Synergien kommen oft nicht gut. 6. Wenn China in einen Markt kommt, wird es ungemütlich. Livio Arpagaus, Aktienanalyst



Moritz Nebel: Ein Euroland geht nicht Pleite


Im Jahr 2011 war ich 20 Jahre alt und hatte durch meinen ersten Fussballvertrag einige Euro angespart. Meine Investments waren bis dahin vornehmlich in Blue-Chip-Aktien wie Coca-Cola und Unilever. Zur gleichen Zeit las ich ein Buch über das Investieren in Anleihen. Die Eurokrise war in vollem Gange und als Contrarian-Investor war ich vom grössten Sündenbock Griechenland natürlich am meisten fasziniert. Die gängigen Medien waren 2011 noch alle optimistisch, dass die gemeinsamen Bemühungen der EZB, EU und des IMF die Krise ohne einen grossen Schuldenschnitt eindämmen könnten. Fundamentales Research habe ich keines betrieben. Die zweijährige Staatsanleihe notierte unter 80% des Nennwertes und versprach bis Ablauf eine Rendite von etwa 15% pro Jahr. Die Meinung meines Vaters, dass Euro-Länder durch die Solidarität der Mitgliedsstaaten nicht pleitegehen können, bestärkte mich zusätzlich und ich kaufte. Die Anleihenkurse fielen jeden Tag weiter. Der Druck der Finanzmärkte wurde letztendlich zu gross und Griechenland kündigte im Februar 2012 einen massiven Schuldenschnitt an. Ich bekam einen Brief nach Hause mit einem «freiwilligen Umtauschangebot». Ich verneinte, doch die Sache war mit den wichtigsten Gläubigern schon abgesprochen und der Umtausch wurde angenommen. Neben dem Verlust von rund 50% des Nominalwertes hatten die neuen Anleihen jetzt eine Laufzeit von bis zu 40 Jahren. Die Papiere sind heute noch in meinem Depot. Sie sind eine gute Erinnerung daran, dass eine gewisse Skepsis gegenüber dem Medienkonsens angebracht ist und Dinge, die noch nie passiert sind, irgendwann doch passieren können. Moritz Nebel, Aktienanalyst



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