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Sind Anleihen jetzt wirklich interessant?

2. Okt.
2 Min. Lesezeit

Jahrelang galten sichere Anleihen als Auslaufmodell. Wer sein Geld in Bundesanleihen anlegte, erhielt häufig kaum Zinsen – teilweise sogar negative Renditen. Heute hat sich das Bild grundlegend verändert. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren wieder um die 5 %, und auch deutsche Bundesanleihen werfen mit 3,5 % so viel ab wie seit vielen Jahren nicht mehr. Vielleicht stellen Sie sich deshalb die berechtigte Frage: Brauchen wir Aktien überhaupt noch, wenn es wieder attraktive Zinsen gibt?


USA: Die Rendite von rund 5 % klingt zunächst verlockend. Allerdings gilt dieser Wert für US-Staatsanleihen. Für deutsche Anleger kommt dabei ein wichtiger Punkt hinzu: das Währungsrisiko. Steigt oder fällt der Dollar gegenüber dem Euro, kann das einen Teil der Zinsen wieder auffressen – oder den Ertrag sogar erhöhen. Wer dieses Chance-Risiko-Muster mit US-Anleihen vermeiden möchte, schaut deshalb eher auf Bundesanleihen.


Deutschland: Die Funktionsweise ist (relativ) einfach: Sie leihen dem deutschen Staat Geld, erhalten dafür einen festen Zins und bekommen am Laufzeitende Ihr Kapital zurück. Steigen die Marktzinsen später, fallen allerdings die Kurse bereits ausgegebener Anleihen. Deshalb schwanken auch Bundesanleihen – wenn auch deutlich weniger als Aktien.


Der Zusammenhang zwischen Anleihen und Aktien wird häufig unterschätzt. Steigen die Zinsen, werden zukünftige Unternehmensgewinne stärker abgezinst. Besonders betroffen sind deshalb hoch bewertete Technologieunternehmen, deren Gewinne oft weit in der Zukunft liegen. Genau deshalb reagierten viele US-Tech-Werte zuletzt nervöser, obwohl das operative Geschäft vieler Unternehmen weiterhin hervorragend läuft. Hinzu kommt: Wenn Anleger plötzlich wieder nahezu 5 % mit einer vergleichsweise sicheren Staatsanleihe erzielen können, steigt automatisch die Messlatte für Aktien. Ein Unternehmen muss dann deutlich stärker wachsen, um dieses zusätzliche Risiko zu rechtfertigen.


Trotzdem würde ich einen wichtigen Fehler vermeiden: Anleihen und Aktien gegeneinander auszuspielen. Historisch haben Aktien über lange Zeiträume deutlich höhere Renditen erzielt als Staatsanleihen. Der Grund ist einfach: Unternehmen wachsen, entwickeln neue Produkte, steigern Gewinne und erhöhen häufig sogar ihre Dividenden. Eine Anleihe dagegen bleibt ein Vertrag mit festem Zinssatz.


Fazit: In meinen Augen bekommen Anleihen heute wieder eine Aufgabe, die sie viele Jahre verloren hatten: Sie sind ein Parkplatz für Liquidität. Wer in den kommenden Monaten auf bessere Einstiegschancen an den Aktienmärkten wartet, muss sein Geld nicht mehr unverzinst liegen lassen. Gleichzeitig würde ich langfristig weiterhin den Schwerpunkt auf starke Unternehmen legen. (Autor: Tom Firley), Quelle: Members Daily.

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