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7 Prozent Verlust: Warum jetzt Konsequenz entscheidend wird

8. Okt.
4 Min. Lesezeit

Ein kleiner Verlust ist kontrollierbar. Genau darauf baut die 7-Prozent-Regel auf, die vor allem durch den Investor William O’Neil bekannt wurde. Statt eine schwache Aktie immer weiter im Depot zu halten und auf die Erholung zu hoffen, wird bereits beim Kauf festgelegt, wann die ursprüngliche Investmentthese als gescheitert gilt.


Fällt die Aktie ungefähr 7 Prozent unter den Einstiegskurs, wird die Position geschlossen. Das klingt fast zu einfach, berührt aber eines der größten Probleme beim Investieren: Anleger beschäftigen sich häufig intensiv mit dem Einstieg und viel zu wenig mit der Frage, wann sie wieder aussteigen.


Warum aus 7 Prozent schnell 30 Prozent werden können


Die Grundidee lässt sich leicht nachvollziehen. Kaufen Sie eine Aktie bei 100 US-Dollar, liegt die Verlustgrenze bei ungefähr 93 US-Dollar. Fällt der Kurs dorthin, wird verkauft. Statt darüber zu diskutieren, ob sich die Aktie vielleicht morgen erholt, steht die Entscheidung bereits vorher fest.


Das schützt zunächst vor einem psychologischen Problem: Als Anleger können Sie Gewinne problemlos realisieren, haben aber vielleicht Schwierigkeiten damit, einen Verlust zu akzeptieren. Eine Aktie fällt 7 Prozent und wird gehalten. Bei minus 15 Prozent erscheint ein Verkauf plötzlich noch unangenehmer. Bei minus 30 Prozent wird aus dem Investment schließlich eine langfristige Position, obwohl es ursprünglich vielleicht als kurzfristiger Trade geplant war.


Die Mathematik verschärft dieses Problem. Nach einem Verlust von 7 Prozent benötigt das verbliebene Kapital ungefähr 7,5 Prozent Gewinn, um wieder den Ausgangswert zu erreichen. Das ist vergleichsweise harmlos. Nach einem Verlust von 30 Prozent sind bereits rund 43 Prozent notwendig. Nach einem Einbruch um 50 Prozent muss sich das verbleibende Kapital verdoppeln.


Die 7-Prozent-Regel versucht deshalb nicht, jedes schlechte Investment zu verhindern. Sie verhindert vielmehr, dass ein gewöhnlicher Fehltrade zu einem existenziellen Problem für das Depot wird.


Das passt besonders zu Wachstumsstrategien. O’Neil arbeitete mit Aktien, die aus technisch klaren Formationen ausbrechen und anschließend möglichst schnell Stärke zeigen sollten. Entwickelt sich der Kurs nach dem Einstieg deutlich in die falsche Richtung, spricht das gegen das ursprüngliche Setup. Statt darauf zu warten, dass sich der Markt irgendwann doch noch der eigenen Einschätzung anschließt, wird Kapital freigesetzt.


Die 7-Prozent-Regel ist kein Naturgesetz


Problematisch wird es, wenn aus dieser Methode eine universelle Börsenregel gemacht wird. Ein Rückgang von 7 Prozent bedeutet keineswegs automatisch, dass mit einem Unternehmen fundamental etwas nicht stimmt oder institutionelle Anleger verkaufen.


Eine volatile Technologieaktie kann innerhalb weniger Handelstage 7 Prozent verlieren und anschließend neue Hochs erreichen. Bei Kryptowährungen können entsprechende Bewegungen sogar innerhalb weniger Stunden auftreten. Bei einer defensiven Aktie wären 7 Prozent dagegen möglicherweise bereits eine außergewöhnlich starke Bewegung.


Auch der Anlagehorizont verändert die Bedeutung eines Stop-Loss. Wer einen kurzfristigen Ausbruch handelt, benötigt einen anderen Risikorahmen als ein Anleger, der ein Qualitätsunternehmen für 10 Jahre besitzen möchte. Würde ein langfristiger Investor jede Position nach einem Rückgang von 7 Prozent verkaufen, hätte er zahlreiche erfolgreiche Unternehmen während gewöhnlicher Korrekturen aus dem Depot geworfen.


Deshalb sollte die Zahl nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist, warum die Aktie gekauft wurde und welche Kursbewegung dieses Szenario widerlegt.


Bei einem technischen Trade kann beispielsweise das letzte lokale Tief wichtiger sein als eine pauschale Prozentzahl. Liegt dieses nur 4 Prozent unter dem Einstieg, wäre ein Stop bei minus 7 Prozent möglicherweise unnötig weit entfernt. Liegt eine entscheidende Unterstützung dagegen 9 Prozent unter dem Einstieg, könnte ein Stop exakt bei minus 7 Prozent mitten in einer normalen Schwankungszone liegen.


Die sinnvollere Reihenfolge lautet deshalb: Zuerst wird festgelegt, an welcher Stelle das Setup nicht mehr funktioniert. Anschließend wird anhand dieser Distanz bestimmt, wie groß die Position sein darf.


Das eigentliche Geheimnis steckt in der Positionsgröße


Genau an diesem Punkt wird die 7-Prozent-Regel häufig missverstanden. Ein Stop-Loss von 7 Prozent bedeutet nicht, dass Sie 7 Prozent Ihres gesamten Depots riskieren sollten. Ist den meisten hoffentlich klar, aber nur zur Sicherheit führe ich das noch kurz aus.


Angenommen, Ihr Depot besitzt einen Wert von 100.000 Euro und Sie investieren davon 10.000 Euro in eine Aktie. Fällt diese Position um 7 Prozent und wird verkauft, beträgt der Verlust 700 Euro. Bezogen auf das gesamte Depot entspricht das lediglich 0,7 Prozent.


Investieren Sie dagegen die gesamten 100.000 Euro in dieselbe Aktie, kostet derselbe Kursrückgang 7.000 Euro. Der Stop ist identisch, das Risiko aber vollkommen anders.


Für systematisches Trading ist deshalb die Kombination aus Stop-Distanz und Positionsgröße entscheidender als die 7-Prozent-Marke selbst. Ein weiter Stop verlangt normalerweise eine kleinere Position. Ein engerer Stop erlaubt theoretisch eine größere Position, erhöht allerdings gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, durch normale Marktschwankungen ausgestoppt zu werden.


Hinzu kommt ein praktisches Problem. Ein Stop-Loss garantiert nicht, dass Sie exakt bei minus 7 Prozent verkaufen können. Nach schlechten Unternehmensnachrichten kann eine Aktie beispielsweise über Nacht deutlich tiefer eröffnen. Aus einem geplanten Verlust von 7 Prozent können dadurch 10, 15 oder noch mehr Prozent werden. Dieses Gap-Risiko lässt sich durch einen Stop nicht vollständig beseitigen.


Genau deshalb sollte die 7-Prozent-Regel weniger als magische Zahl und stärker als Denkmodell verstanden werden. Noch bevor Sie eine Aktie kaufen, müssen 3 Dinge feststehen: Welches Szenario erwarten Sie, wann ist dieses Szenario widerlegt und wie viel Kapital dürfen Sie verlieren, wenn Sie falschliegen?


Wer diese Fragen erst beantwortet, nachdem die Aktie gefallen ist, überlässt die Entscheidung seinen Emotionen. Wer sie vor dem Einstieg beantwortet, verwandelt einen möglichen Verlust in einen vorher kalkulierten Bestandteil des Systems.


Die Stärke der 7-Prozent-Regel liegt deshalb nicht exakt bei 7 Prozent. Ihre Stärke liegt in der Konsequenz, Verluste zu begrenzen, bevor Hoffnung das Risikomanagement ersetzt. Quelle: Trading Insider, Autor Michael Berkholz

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