Der Big-Mac-Index

Der Big-Mac-Index des „Economist“ ist jüngst 40 Jahre alt geworden. Happy Birthday, möchte man da sagen! Sie kennen diesen Index nicht? Es ist auch kein Börsenbarometer, sondern eines, das die Kaufkraft der verschiedenen Währungen miteinander vergleicht. Die ursprüngliche Idee kam seiner Erfinderin, der „Economist“-Redakteurin Pam Woodall im Jahr 1986: Der Wert einer Währung sollte ihre Kaufkraft widerspiegeln. Und am besten ließe sich das anhand des Preises für ein „perfektes universelles Produkt“ beurteilen. Sie wählte den Big Mac, den beliebten Burger der Fast-Food-Kette McDonald’s.
Vier Jahrzehnte später ist der Big-Mac-Index zu einem etablierten Maßstab für die Kaufkraft der einzelnen Währungen geworden. Aktuell ist der Burger in der Schweiz mit umgerechnet 9,04 US-Dollar am teuersten. Den billigsten Big Mac gibt es nach einem Kursverfall der dortigen Rupie in Indonesien für gerade einmal 2,38 US-Dollar. Europa liegt mit durchschnittlich 6,19 US-Dollar ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt; in Deutschland sind es sogar 6,30 US-Dollar.
Nach aktuellem Stand gilt der Schweizer Franken somit als über- und die indonesische Rupie als unterbewertet. Zumindest, wenn man an die Aussagekraft dieses Index glaubt; denn sicherlich spielen nicht nur die Produktionskosten in den einzelnen Ländern bei der Preisfindung eine Rolle, sondern auch die Nachfrage. Diese aber dürfte nicht überall auf der Welt gleich sein. Zudem ist der Big Mac nicht in allen Ländern verfügbar. In Indien, wo man kein Rindfleisch isst, dient Chicken Maharaja Mac als Ersatz. Aber in Russland klafft eine Lücke. Seit Putin den Krieg gegen die Ukraine angefangen hat, fehlt dort der „Bolshoi Mac“, der bislang half, den Rubel einzustufen. McDonald’s verkauft wegen der internationalen Sanktionen in Russland keine Burger mehr.
Was der Index ohnehin nicht leistet, ist eine vernünftige Prognose für die Zukunft. Dass etwa der Schweizer Franken seine vermeintliche Überbewertung abbauen wird, ist nicht sehr wahrscheinlich. Ebenso wenig ist gesagt, dass die unterbewerteten asiatischen Währungen wie der chinesische Yuan, der japanische Yen und der koreanische Won aufwerten werden. Denn eine schwache Währung bringt Vorteile beim Export. Die Hersteller im betreffenden Land können ihre Produkte, umgerechnet in US-Dollar, am Weltmarkt besonders günstig anbieten. Das Interesse an einer Aufwertung hält sich somit in Grenzen. Mit Währungen zu spekulieren, das rate ich Ihnen nicht. (Autor: Rolf Morrien), Quelle: Morriens Schlussgong.




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