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Aufs Korn genommen

2. Okt.
2 Min. Lesezeit

Wenn ein Wahlergebnis droht oder bereits eingetreten ist, das dem Establishment nicht in den Kram passt und bereits alle medialen Register vergebens gezogen wurden, dann droht der eine mit Bundeszwang (Bundeskanzler Friedrich Merz) und die anderen malen ökonomische Horrorgemälde an die Wand. Kein Unternehmen würde in dem betreffenden Bundesland unter einer AfD-Regierung noch investieren oder neue Arbeitsplätze schaffen, heißt es dann seitens regierungsnaher Wirtschaftsverbände.


Sonderbar, als jüngst die Linke zur stärksten Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus aufstieg und ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp nun gute Chancen hat, zur Regierenden Bürgermeisterin zu avancieren, sofern nicht weitere fragwürdige Clan-Connections die Runde machen, da verhielt sich die Wirtschaft auffallend ruhig. Nur Bayerns Söder ließ vom Oktoberfest verlauten, man müsse mal über die Zuschüsse für Berlin nachdenken, sollte Frau Eralp in der Bundeshauptstadt künftig das Zepter schwingen. Aber Söder ist Politiker und spricht nicht für die Wirtschaft. Offenkundig macht es einen Unterschied, ob die Wahlsiegerin mit Vornamen Elif oder Alice heißt.


Auffallend ist ferner, dass meist nur Großunternehmen und deren Lobby-Gruppen vor unerwünschten Regierungen warnen. Also regierungsnahe Kreise, die auf die eine oder andere Weise vom Kartell der Altparteien profitieren. Schaut man in die zweite Reihe, also in den Bereich der mittelständischen Unternehmen, so stellt sich deren Einstellung zur politischen Entwicklung in Deutschland schon sehr viel differenzierter dar.


Im letzten November etwa plädierte die Chefin des Wirtschaftsverbandes »Die Familienunternehmer«, Marie-Christine Ostermann, dafür, auch mit der AfD Gespräche zu führen. PR-wirksam zeigten sich nur drei Unternehmen sogleich empört: Vorwerk sowie die üblichen »Verdächtigen« Rossmann und fritz-kola. Wenn, wie in Sachsen-Anhalt, deutlich über 40 Prozent der Menschen die AfD wählen, dann dürfte bald auch dem letzten ideologisierten und woken Manager klar sein, dass auch AfD-Wähler Kunden sind, die man tunlichst nicht vergraulen sollte, zumal diese Kundengruppe auch in den anderen Bundesländern immer größer wird.


Ob sich ein Unternehmen in einer bestimmten Region ansiedelt, ist weniger davon abhängig, wer gerade in der Staatskanzlei sitzt, es sei denn, der oder die Betreffende zeigt sich als besonders spendabel bei der Vergabe von Fördermitteln. Die Ansiedlung hängt vielmehr von einer Reihe wirtschaftlicher und infrastruktureller Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte, die Bildungs und Ausbildungsangebote, die Nähe zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die Qualität der Infrastruktur (Straßen, Autobahnen, Bahnverbindungen sowie die digitale Infrastruktur) und die Nähe zu anderen Unternehmen (Zulieferer, Abnehmer, Unternehmensnetzwerke, Kooperationsmöglichkeiten und so weiter).


Hinzu kommen schließlich noch die weichen Standortfaktoren, wie etwa Wohnraum, Freizeit- und Kulturangebote. Gerade diese weichen Standortfaktoren werden bei der Akquisition von Fachpersonal immer wichtiger. Denn wer verliebt sich schon in ein Gewerbegebiet?


Die Drohung mit ausbleibenden Ansiedlungen, dem Abbau von Arbeitsplätzen und dem Rückgang von Tourismus ist mithin nicht mehr als durchschaubare Panikmache. Und all den Kunden, die sich über ideologische PR-Propaganda von Unternehmen wie fritz-kola und Rossmann ärgern, sei gesagt: Es gibt auch noch Brausegetränke von anderen Herstellern und Drogerieketten, deren Logos erfrischend bunt statt knallrot sind. (Quelle Kopp exklusiv, Autor: Michael Brückner)



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