Allianz-Report: Deutschland klettert im Vermögensranking
Das weltweite Finanzvermögen hat 2025 erneut einen Rekord erreicht. Deutschland verbessert sich beim Nettofinanzvermögen pro Kopf deutlich und landet nun auf Rang zwölf. Doch Europas Sparer profitieren weiterhin erheblich weniger von steigenden Kapitalmärkten als US-Haushalte.

Das weltweite Finanzvermögen privater Haushalte ist auch 2025 kräftig gewachsen. Nach Berechnungen des neuen Allianz Global Wealth Report legten die Brutto-Finanzvermögen um 8,6 Prozent auf 268,4 Billionen Euro zu. Damit wurde erneut ein Rekord erreicht.
Das Wachstum liegt damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. 2024 waren die Finanzvermögen laut damaligem Allianz-Report um 8,7 Prozent auf rund 269 Billionen Euro gestiegen. Dass die absoluten Werte trotz weiteren Wachstums nicht unmittelbar vergleichbar sind, hängt unter anderem mit der Berechnung in Preisen beziehungsweise Wechselkursen des jeweiligen Berichtsjahres zusammen.
Inflationsbereinigt fällt die Bilanz ohnehin wesentlich schwächer aus: Seit 2019 ist das globale Finanzvermögen nominal um fast 50 Prozent gestiegen, real jedoch lediglich um 23 Prozent. Gegenüber 2021 liegt die Kaufkraft des Finanzvermögens sogar nur fünf Prozent höher.
Aktien und Wertpapiere treiben die Vermögen
Treiber waren erneut die Kapitalmärkte. Wertpapiere legten 2025 um 12,4 Prozent zu. Bankeinlagen wuchsen dagegen um 5,7 Prozent, Versicherungen und Pensionen um 5,0 Prozent. Damit steigt die Bedeutung kapitalmarktnaher Anlagen weiter. Wertpapiere machen mittlerweile 46,9 Prozent des weltweiten Finanzvermögens aus – ein Rekordwert. Auf Bankeinlagen entfallen 26,0 Prozent, auf Versicherungen und Pensionen 24,8 Prozent.
Besonders bemerkenswert: Vier von fünf zusätzlichen Euro Finanzvermögen entstanden 2025 nach Berechnungen der Allianz durch Wertsteigerungen und nicht durch neues Sparen. Die frischen Spargelder gingen sogar um 5,4 Prozent auf 4,1 Billionen Euro zurück.
Dabei zeigen sich erhebliche regionale Unterschiede. Nordamerika steigerte seine Finanzvermögen 2025 um 9,2 Prozent, während Westeuropa lediglich auf 4,5 Prozent kam. Nordamerika war für 51,4 Prozent des weltweiten Vermögenszuwachses verantwortlich. Noch deutlicher wird der Rückstand bei einer längerfristigen Betrachtung. Inflationsbereinigt liegt das Finanzvermögen Westeuropas lediglich 0,5 Prozent über dem Stand von 2019. In Nordamerika beträgt das Plus dagegen 21 Prozent, in China sogar 70 Prozent. Einen wichtigen Grund sieht Allianz Research in der unterschiedlichen Geldanlage. Nordamerikanische Haushalte halten 60,7 Prozent ihres Finanzvermögens in Wertpapieren. In Westeuropa sind es lediglich 36,8 Prozent.
Deutsche sparen viel – aber ihr Geld arbeitet weniger
Deutschland liefert dem Report zufolge ein besonders anschauliches Beispiel. Das Finanzvermögen deutscher Haushalte ist in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich um 6,0 Prozent jährlich gewachsen. Dafür mussten die Deutschen allerdings deutlich stärker sparen als die Nordamerikaner. Jährlich flossen neue Ersparnisse im Umfang von durchschnittlich 3,9 Prozent des vorhandenen Finanzvermögens hinzu. In Nordamerika waren es nur 2,1 Prozent.
Der entscheidende Unterschied liegt bei den Wertsteigerungen: In Deutschland waren lediglich 33 Prozent des Vermögenswachstums auf Bewertungsgewinne zurückzuführen. In Nordamerika waren es 71 Prozent. Die Deutschen erzielten damit trotz einer fast doppelt so hohen Sparleistung ein ähnliches Wachstum. Der Allianz-Report sieht darin ein strukturelles Problem Europas: Nicht zu wenig Sparen sei das Problem, sondern die geringere Beteiligung an den Kapitalmärkten.
Beim Nettofinanzvermögen pro Kopf macht Deutschland gegenüber dem Vorjahresbericht einen deutlichen Sprung. 2024 hatte Deutschland mit durchschnittlich 86.800 Euro noch Rang 15 belegt. Für 2025 weist der neue Report 91.780 Euro aus. Damit landet Deutschland auf Platz zwölf.
An der Spitze stehen erneut die USA. Dort beläuft sich das durchschnittliche Nettofinanzvermögen auf 296.950 Euro pro Kopf. Die Schweiz folgt mit 275.980 Euro. Im Vorjahresbericht waren für die USA noch rund 311.000 Euro und für die Schweiz 268.860 Euro ausgewiesen worden. Entscheidend für den amerikanischen Spitzenplatz bleibt die Verschuldung: Beim Bruttofinanzvermögen liegt die Schweiz weiterhin vor den USA. Schweizer Haushalte haben jedoch Verbindlichkeiten von rund 130.080 Euro pro Kopf – mehr als doppelt so viel wie US-Haushalte mit 52.730 Euro.
Die 15 Länder mit dem höchsten Nettofinanzvermögen pro Kopf
USA: 296.950 Euro
Schweiz: 275.980 Euro
Dänemark: 197.510 Euro
Singapur: 192.840 Euro
Taiwan: 164.470 Euro
Schweden: 155.980 Euro
Kanada: 135.350 Euro
Neuseeland: 127.550 Euro
Niederlande: 116.600 Euro
Belgien: 114.590 Euro
Australien: 113.190 Euro
Deutschland: 91.780 Euro
Italien: 91.730 Euro
Japan: 89.420 Euro
Irland: 83.590 Euro
Damit liegt Deutschland inzwischen nur knapp hinter Australien. Italien folgt mit lediglich 50 Euro weniger pro Kopf unmittelbar dahinter.
Der Rekord beim weltweiten Vermögen ändert wenig an dessen extrem ungleicher Verteilung. Die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung besitzen 85,4 Prozent des globalen Nettofinanzvermögens. Im Vorjahresbericht waren es 85,1 Prozent.
Langfristig ist die Konzentration zwar gesunken: 2005 entfielen noch 91,5 Prozent auf das reichste Zehntel. Die ärmere Hälfte der vom Report erfassten Weltbevölkerung – fast drei Milliarden Menschen – verfügt zusammengenommen aber weiterhin praktisch über kein Nettofinanzvermögen. Besonders groß ist auch die Differenz zwischen Durchschnitt und Mitte der Bevölkerung. Das durchschnittliche globale Nettofinanzvermögen liegt bei 36.690 Euro pro Kopf, der Median hingegen lediglich bei rund 2.490 Euro. Der Durchschnitt ist damit fast 15-mal so hoch.
Innerhalb der einzelnen Staaten hat sich an der Vermögensverteilung in zwei Jahrzehnten ebenfalls kaum etwas geändert. Im Durchschnitt der 57 untersuchten Länder verfügen die reichsten zehn Prozent über 60,9 Prozent des Nettofinanzvermögens. 2005 waren es 60,4 Prozent.
KI könnte die Vermögensunterschiede weiter verschärfen
Der diesjährige Allianz-Report richtet den Blick zudem auf Künstliche Intelligenz. Sie könnte die Vermögensbildung beschleunigen, gleichzeitig aber die Verteilung weiter zugunsten von Kapitaleigentümern verschieben. Sollten Produktivitätsgewinne stärker in Unternehmensgewinne als in Löhne fließen, könnten Besitzer von Aktien und anderen Produktivvermögen überproportional profitieren. Damit würde die Beteiligung am Kapitalmarkt für den langfristigen Vermögensaufbau noch wichtiger.
Für 2026 erwartet Allianz Research zunächst ein weiteres kräftiges Wachstum des weltweiten Finanzvermögens von rund neun Prozent. Mittelfristig rechnen die Ökonomen dagegen mit jährlichen Wachstumsraten von etwa fünf bis sechs Prozent. Quelle: versicherungsbote.de




Kommentare