Aufs Korn genommen

Wenn die Bildung exotischer Koalitionen sich fortsetzt und den Kollegen in den Medien nicht irgendwann die Metaphern ausgehen, darf der politische Obstsalat bald angerichtet werden. Ob er sich freilich als sehr vitaminreich und bekömmlich erweisen wird, bleibt abzuwarten. Aber immerhin verschafft er den Protagonisten gut bezahlte Posten. Um die AfD
fernzuhalten, beglückten CDU, SPD und BSW die Thüringer mit ihrer Brombeerkoalition. Mit freundlicher Unterstützung der Partei Die Linke. Klingt irgendwie niedlich: die Erfurter Brombeer-Connection. Aber: Wegen ihres relativ hohen Wassergehalts faulen Brombeeren sehr schnell. Schimmel und ein säuerlich-gäriger Geruch weisen darauf hin, dass dieses Stadium erreicht ist. In Thüringen, so scheint es, ist der Fäulnisprozess schon in einem fortgeschrittenen Stadium. Eigentlich gehören diese Früchte in diesem Zustand entsorgt. Wer sie dennoch verzehrt, riskiert zumindest Erbrechen und Durchfall. Also Obacht, liebe Thüringerinnen und Thüringer.
Derweil sorgt man sich in Wiesbaden mit einer tropischen Frucht um das Wohlergehen der Wählerinnen und Wähler. Die Parteien CDU, FDP, Grüne und Volt im Rathaus der hessischen Landeshauptstadt haben unlängst eine Maracuja-Koalition ins Leben gerufen. Da hätten wir sie schon, die zweite Ingredienz für unseren politischen Obstsalat. Sollte daraus am Ende doch nichts werden, sei an dieser Stelle der Hinweis gestattet, dass ein Glas mit qualitätsvollem Maracuja-Geist durchaus geeignet ist, die Wirren der deutschen Politik besser zu ertragen.
Doch schauen wir uns an, welche sonstigen Früchtchen unseren Obstsalat schon bald bereichern könnten. Angenommen, die Altparteien unternehmen wirklich alles, um nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die AfD von der Regierung fernzuhalten. Vielleicht mit einer Koalition aus CDU, SPD, Grünen und Linke. Obwohl niemand weiß, ob dieses Bündnis tatsächlich zustande kommt, sprechen manche schon von einer Konfetti-Koalition, eben weil sie so närrisch wäre. Aber Konfetti im Obstsalat ist wenig bekömmlich. Wesentlich eleganter klingt da schon die Metapher Waldbeerenkoalition. Aber Vorsicht. Nicht alle Waldbeeren sind lecker und essbar. Man denke nur an die stark giftigen Tollkirschen. Welcher der genannten Parteien nun die toxische Rolle der Tollkirsche zukommt, mag jeder selbst entscheiden. Und ja: Der Verzehr von Tollkirschen löst unter anderem Verwirrtheit und Halluzinationen aus. Daraus aber zu schließen, dass manche unserer Volksvertreter zum Dessert Heidelbeeren mit Tollkirschen verwechselt haben, wäre bis zum Beweis des Gegenteils eine böswillige Unterstellung.
Doch nehmen wir an, die derzeit sehr kleine große Koalition bricht auseinander und aus Angst vor Neuwahlen holt man schnell die Grünen ins Boot. Schwarz, Rot und Grün also. Manche sprechen schon von einer Wassermelonen-Koalition – außen grün, innen rot mit schwarzen Kernen. Andere wiederum unken, angesichts dessen, was uns dann bevorstehen könnte, wäre wohl die Assoziation Drachenfruchtkoalition angebrachter.
Aber vielleicht fällt irgendwann in einem Bundesland dann doch die Brandmauer und es kommt zu einer Koalition von CDU und AfD. Ein solches Bündnis könnte unseren Obstsalat um Holunderbeeren bereichern – eben eine Holunderbeerenkoalition. Reife und gut erhitzte Holunderbeeren gelten als bekömmlich. Aber in der Politik ist es wie im richtigen Leben: Die Dosis macht’s, ob eine Mahlzeit bekömmlich ist. Allzu viel (politischer) Obstsalat kann Magenkrämpfe hervorrufen. Quelle: Kopp exklusiv, Michael Brückner




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