Israelische Medien: Netanjahus Wiederwahl hängt vom Ausgang des Irankrieges ab
- Holbach News

- 16. Juli
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Aktualisiert: vor 3 Tagen
Für seine Wiederwahl scheint der israelische Premier bereit, weitere Menschenleben aufs Spiel zu setzen und den von ihm begonnenen Krieg bis zum bitteren Ende fortzuführen. Denn ein »halber Sieg« ist politisch lebensgefährlich für ihn.

Der Krieg gegen den Iran ist längst mehr als nur eine militärische Auseinandersetzung zwischen zwei Erzfeinden im Nahen Osten. Für Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu geht es inzwischen um weit mehr als Raketen, Uran oder geopolitische Strategie. Es geht um seine politische Zukunft, seine Wiederwahl – und möglicherweise um sein politisches Überleben. Denn während internationale Vermittler über Waffenstillstände, diplomatische Lösungen und Deeskalation sprechen, wächst in Israel der Druck auf Netanjahu. Vor allem Oppositionsführer wie Naftali Bennett (Vorsitzender der national-religiösen Partei HaBajit haJehudi) und Jair Lapid (von der liberalen Partei Jesch Atid) werfen ihm vor, trotz aller martialischen Rhetorik keinen entscheidenden Sieg erzielt zu haben.
Bennett formulierte es ungewöhnlich scharf. Israel gewinne »an keiner Front« – weder in Gaza noch im Libanon, und auch beim Iran sei der Ausgang keineswegs entschieden. Noch härter traf Netanjahu der Vorwurf, jahrelang über die iranische Gefahr gesprochen, aber letztlich zu wenig gehandelt zu haben. Genau diese Kritik könnte für den Langzeitpremier brandgefährlich werden.
Der Iran als Netanjahus politisches Lebensthema
Kaum ein anderer Politiker hat seine politische Karriere derart stark mit der iranischen Bedrohung verknüpft wie Netanjahu. Seit Jahrzehnten warnt er vor einem atomar bewaffneten Iran, bezeichnete Teheran immer wieder als existenzielle Gefahr für Israel und drängte die USA sowie den Westen zu einem härteren Vorgehen. Für Netanjahu war der Iran nie nur ein außenpolitisches Thema, sondern der zentrale Kern seiner politischen Identität. Deshalb wäre ein Waffenstillstand ohne klarenSieg für ihn hochgefährlich. Sollte der Krieg enden, während der Iran weiterhin
über hoch angereichertes Uran verfügt,
ballistische Raketen besitzt,
seine regionalen Stellvertreterarmeen unterstützt
und unter der Herrschaft der Ajatollahs bleibt,
dann könnte genau das als historisches Scheitern Netanjahus interpretiert werden. Denn er selbst hatte den Israelis praktisch versprochen, diese Bedrohung endgültig zu beseitigen.
Die 440 Kilogramm Uran – Israels ungelöstes Problem
Besonders brisant ist die Frage des iranischen Uranbestandes. Nach aktuellen Einschätzungen verfügt Teheran weiterhin über Hunderte Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran. Das liegt deutlich oberhalb ziviler Nutzung und gilt aus westlicher Sicht als potenzieller Schritt hin zu atomwaffenfähigem Material. Darüber kann man streiten, aber es ist der Grund für den israelisch-amerikanischen Angriffskrieg auf das Land.
Hinzu kommt: Teile der Uranbestände sollen tief unterirdisch gesichert sein. Genau darin sehen Netanjahus Gegner den Beweis dafür, dass Israels Militäroperationen zwar spektakulär, aber nicht entscheidend genug gewesen seien. In Israel wächst deshalb die Sorge vor einem »Scheinsieg«, der zwar mit großen Bildern, massiven Luftschlägen und internationalen Schlagzeilen propagiert wird, aber keine endgültige Ausschaltung der iranischen Nuklearfähigkeit darstellt. Für die Opposition ist das die perfekte Angriffsfläche im Wahlkampf 2026.
Bennett und Lapid wittern ihre Chance
Die innenpolitische Lage in Israel verändert sich spürbar. Umfragen zeigen, dass sich die Opposition bereits auf die Zeit nach Netanjahu vorbereitet. Vor allem Bennett versucht sich als entschlossenerer Sicherheitskandidat zu präsentieren. Seine Botschaft lautet: Netanjahu rede seit Jahren über den Iran, doch am Ende existiere die Bedrohung noch immer. Auch Lapid greift Netanjahu frontal an. Besonders kritisch bewertet die Opposition die enge Bindung des Premiers an US-Präsident Donald Trump. Sollte Washington plötzlich einen Waffenstillstand oder eine diplomatische Lösung erzwingen, ohne den Iran entscheidend geschwächt zu haben, könnte Netanjahu innenpolitisch massiv beschädigt werden. Denn viele Israelis fürchten genau dieses Szenario: Amerika erklärt den Sieg, zieht sich zurück und Israel bleibt mit einem weiterhin gefährlichen Iran allein zurück.
Warum Netanjahu keinen »faulen Frieden« gebrauchen kann
Für Netanjahu wäre ein schneller Frieden ohne klare strategische Ergebnisse womöglich schlimmer als ein längerer Krieg. Denn ein unvollständiger Ausgang würde sofort die Frage aufwerfen: Wofür wurden all die Opfer, die Milliardenkosten und die enorme Eskalation überhaupt in Kauf genommen? Genau deshalb wirkt die israelische Regierung derzeit entschlossen, den Druck maximal hochzuhalten. Aus Sicht Netanjahus reicht es offenbar nicht, symbolische Erfolge zu präsentieren. Der Iran muss militärisch, strategisch und politisch so stark geschwächt werden, dass die Bedrohung langfristig neutralisiert erscheint.
Dazu gehören aus israelischer Sicht:
die Zerstörung von Raketenarsenalen,
die Ausschaltung nuklearer Infrastruktur,
die Schwächung der Revolutionsgarden,
die Unterbrechung iranischer Proxy-Netzwerke
und möglichst ein politischer Umbruch in Teheran.
Gerade Letzteres galt in Jerusalem und Washington offenbar lange als Hoffnungsszenario:
ein Volksaufstand gegen das Regime der Ajatollahs. Doch bislang hat sich diese Erwartung nicht erfüllt und wird sich, wie es aussieht, auch nicht so schnell erfüllen.
Trump denkt anders als Netanjahu
Auch wenn die USA und Israel offiziell dieselben Ziele verfolgen, unterscheiden sich die politischen Interessen erheblich. Trump denkt vor allem innenpolitisch. Für ihn spielen Benzinpreise, Inflation, Versorgungssicherheit und die Stimmung amerikanischer Wähler eine enorme Rolle.
Steigende Ölpreise durch eine Blockade der Straße von Hormus könnten die amerikanische Wirtschaft massiv belasten. Genau deshalb wächst in Washington möglicherweise das Interesse an einer kontrollierten Deeskalation. Für Netanjahu geht es um mehr. Für ihn ist der Iran keine kurzfristige Krise, sondern die zentrale Bedrohung für Israels Zukunft. In Wahrheit allerdings geht es um seinen politischen Kopf, denn er ist auch in mehrere Strafverfahren und Skandale verwickelt, vor denen sein Amt ihn schützt.
Der Krieg als Wahlkampf
Je länger der Konflikt dauert, desto stärker verschmelzen militärische und innenpolitische Ziele miteinander. Für die israelische Opposition bietet jeder unvollständige Erfolg eine Angriffsfläche. Netanjahu wiederum weiß, dass nur ein klarer strategischer Erfolg ihn politisch retten kann. Deshalb dürfte der Druck steigen, den Krieg nicht mit einem bloßen Waffenstillstand enden zu lassen. Ein »eingefrorener Konflikt« wäre aus Sicht seiner Gegner der Beweis dafür, dass Netanjahus jahrzehntelange Iran-Politik letztlich gescheitert sei.
Noch ist nichts entschieden
Trotz aller militärischen Erfolge bleibt die Lage offen. Israel hat dem Iran schwere Schäden zugefügt, wichtige Strukturen getroffen und seine militärische Schlagkraft demonstriert. Doch die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Kann der Iran dauerhaft daran gehindert werden, seine nuklearen Fähigkeiten, Raketenprogramme und regionalen Netzwerke wieder aufzubauen?
Genau davon hängt letztlich nicht nur die Zukunft des Nahen Ostens ab, sondern womöglich auch die politische Zukunft Benjamin Netanjahus. Denn sollte der Krieg ohne klaren Sieg enden, könnte ausgerechnet das Thema, das ihn jahrzehntelang politisch getragen hat, zu seinem größten Risiko werden.
Netanjahu scheint allerdings dazu bereit, für seine Wiederwahl noch mehr Menschenleben zu opfern und den Krieg zu verlängern. Finden Sie den Fehler! (Quelle Kopp Verlag)



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